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Tales of Berseria im Test – Come to the dark side …

Anti-Helden in Tales of Berseria? Das gab´s bisher noch nie.

´Schon im zarten Kindesalter verliert Protagonistin Velvet ihre Eltern und Schwester in der sogenannten „Scarlet Night“, die mit wolfsähnlichen Dämonen und einem blutroten Mond einhergeht. Alles, was ihr noch bleibt, sind ihr kleiner Bruder Laphicet und ihr verwitweter Schwager Artorius, mit dem sie fortan in einem kleinen Dorf am Waldrand ein bescheidenes, aber idyllisches Leben führt. Doch sieben Jahre später steht erneut der blutrote Mond am Himmel …

Die Bewohner des Dorfes verwandeln sich in furchterregende Bestien, die die übrig gebliebenen Menschen im Dorf überfallen. Als Artorius daraufhin Velvets Bruder für das höhere Wohl opfert, bricht für diese eine Welt zusammen und sie wird selbst zu einem rachelüsternen Dämon, der andere Wesen und deren Fähigkeiten in sich aufsaugen kann. Kurz darauf wird Velvet ins Verlies geworfen. Drei Jahre fristet sie ihr von Rachelust aufrechterhaltenes, jämmerliches Dasein im Kerker, bis es ihr gelingt, aus dem Gefängnis auszubrechen. Nichts als Vergeltung im Sinn, hinterlässt Velvet ohne zu Zögern Zerstörung und Verwüstung an den von ihr besuchten Orten und schreckt auch nicht davor zurück anderen zu schaden, um schneller an ihr Ziel zu kommen Artorius zu töten.

Recht schnell finden sich weitere Gefährten, die ebenfalls nicht so recht ins Heldenschema passen wollen und sich eurem Rachefeldzug bereitwillig anschließen. Mit ihnen bereist ihr fortan die umfangreiche Spielwelt von Berseria, schippert auf dem Meer in neue Gefilde und erlegt jede Menge Monster und Dämonen.

Kampf der Berserker

Nachdem ihr mit einem der zahlreichen Gegner auf dem Feld der Weltkarte in Berührung kommt, wechselt das Spiel in den Kampfbildschirm, in dem ihr Feinden gewohnt in Echtzeit zu Leibe rückt. Während der Schlacht steuert ihr jeweils einen der momentan im Kampf agierenden Gefährten, der Rest der Gruppe wird von der KI übernommen. Optional können auch alle Charaktere manuell gesteuert werden, was auf Dauer jedoch eher einer Tortur gleicht und für das Vorankommen im Spiel wenig empfehlenswert ist.

Charaktere besitzen zu Kampfbeginn drei sogenannte „Souls“, mit denen es gilt hauszuhalten. Eure Seelen legen nämlich fest, wie viele Komboattacken ihr ausführen könnt. Sind die Souls aufgebraucht, Bedarf es einer gewissen Wiederaufladezeit, bis ihr erneut auf den Gegner eindreschen könnt. Ihr könnt allerdings auch Souls verlieren, wenn der Gegner euch zum Beispiel durch eine Schlagkombo betäubt. Diese Seele wird dann auch nach dem Cool-Down nicht mehr aufgeladen. Glücklicherweise funktioniert der Mechanismus andersrum aber genauso; betäubt oder tötet ihr einen Gegner, so könnt auch ihr ihm Souls abluchsen, die auf euer Konto wandern. Damit lassen sich wiederum längere Kombos ausführen.

Welche Schläge ihr bei den Kombos an eure Gegner austeilt, könnt ihr dabei selbst festlegen. Eine ausgeführte Kampfaktion wird als „Artes“ bezeichnet. Artes teilen sich in verschiedene Unterarten auf, welche wiederum diverse elementare Eigenschaften besitzen. Eine Komboreihe besteht aus vier solcher Artes, die ihr im Menü nach Gutdünken auf der Kreis-, Quadrat-, Dreieck- und Kreuztaste anordnen könnt. Damit ergeben sich also vier Kombinationsmöglichkeiten, die sich zudem im Kampf noch mischen lassen, wenn ihr beispielsweise zweimal die Kreuz- und anschließend zweimal die Kreistaste drückt. Mit fortschreitendem Spielverlauf werden mehr und mehr Artes frei geschalten, die darauf warten eingesetzt zu werden. Je öfter ihr einen Artes einsetzt, desto stärker wird dieser. Da jeder Gegner unterschiedlich auf ein Artes reagiert, müssen stetig neue Kombos erstellt werden, was aber auch sehr viel Spaß macht.

Zusätzlich zu den Artes gibt es auch noch diverse Spezialfertigkeiten. Dämonen, wie Velvet zum Beispiel, können in einen Dämonenmodus wechseln, der nach erfolgreicher Komboreihe mit einer fatalen Elementarattacke endet. In diesem Modus richtet ihr zwar mehr Schaden an, jedoch muss eine gewisse Anzahl an Kombos zur Verfügung stehen, um ihn zu aktivieren und ihr müsst zusätzlich noch eine eurer Souls für die Aktivierung opfern. In länger andauernden Kämpfen sollte der Spezialmodus also mit Bedacht eingesetzt werden. Um einen Überblick im Kampf zu behalten, können jederzeit auch während des Gefechts Artes getauscht, Gegnerinformationen eingeholt oder Charaktere mit Items geheilt werden.

Nach dem Kampf erhaltet ihr EXP, Geld, Waffen und andere mal mehr, mal weniger nützliche Items, die ihr konsumieren, verkaufen oder zur Aufwertung von Ausrüstung verwenden könnt. Waffen erhaltet ihr im Spielverlauf relativ viele, dafür aber nur selten relativ wertvolle. Eine Waffe hat dabei je nach Art zwei Fähigkeiten, die sich erst nach ausreichendem Gebrauch freischalten lassen. Zusätzlich kann sie noch eine weitere, zufällig gewählte Fähigkeit beinhalten. Um die investierte Zeit in eine Waffe nicht zu verschwenden, kann diese dann beim Waffenhändler mit den richtigen Utensilien noch aufgewertet werden, damit sie mit neu gefundenen, deutlich besseren, doch noch eine Weile mitzuhalten vermag. Benötigt ihr eine Waffe nicht mehr, könnt ihr diese zerlegen lassen und deren Bausteine anderweitig recyceln.

Reichen selbst die besten Waffen und Ausrüstungen mal nicht für den Kampf, so könnt ihr eure Charaktere auch, wie in Tales of Ablegern üblich, eine stärkende Mahlzeit kochen lassen, welche euch einen Vorteil für das nächste Gefecht bietet. Neue Rezepte findet ihr, indem ihr euer eigens geklautes Schiff auf Erkundungstour schickt. Je nachdem, welchen der Charaktere ihr zum Chefkoch auserwählt, erhält das Gericht noch einen Extrabonus á la Chef obendrauf.

Düstere Story, bunte Spielwelt

Trotz, dass sich die PS3 Adaption des Titels nicht verstecken lässt, wurde die Spielwelt alles in allem solide umgesetzt. Weitläufige, stimmige Panoramen wissen zu überzeugen und auch die Kameraeinstellungen sind weniger bockig als in vorangegangenen Teilen. Auf unserer Reise erforschen wir glitzernde Höhlen, endlose Meere, pompöse Festungen, gruselige Kerker, weite Steppen und belebte Städte. Manche Areale sind eher schlauchförmig und linear, andere offener angelegt. Dies sorgt dafür, dass trotz negativem Hauptcharakter und gruseliger Story kein allgemein negativer Eindruck hängen bleibt. Charaktermodelle werden weiterhin in bezaubernder Animeoptik dargestellt, welche sich durch gefundene Outfits und Accessoires bei Bedarf noch individualisieren lassen. Outfits und Accessoires können dabei beim Öffnen sogenannter pinker „Katz-Truhen“ herausspringen, die sich nur mit sammelbaren Kugeln öffnen lassen. Ganz nebenbei befreit ihr aus der Truhe auch immer noch einen niedlichen Katz.

Auditiv besticht vor allem die gelungene Synchronisation, die sowohl in englischer, als auch in japanischer Sprachausgabe stets authentisch wirkt. Bei der Hauptprotagonistin etwa verändert sich die Stimme von der unschuldigen Jugendlichen zum unbarmherzigen Racheengel so immens, dass man meinen könnte, es handle sich um zwei verschiedene Personen. Leider ist die Qualität bei der übrigen musikalischen Umsetzung eher durchschnittlich.

Scheinen Charaktere am Anfang der Story noch etwas oberflächlich, so erlangen sie mit jeder weiteren Spielstunde mehr und mehr Individualität und Tiefgang, sowie eine eigene Hintergrundgeschichte. Alles in allem wirken die Charaktere lebendig und vielseitig, was durch die für die Tales of Serie typischen Zwischensequenzen und triggerbaren Unterhaltungen noch verdeutlicht wird. Sogar bei Velvet schimmert nach und nach die scheinbar doch noch nicht ganz verloren gegangene Menschlichkeit durch.

Was im Spiel aber am meisten stört, sind die endlosen, nur in Text gefassten Tutorials, die auch noch nach über 20 Spielstunden kein Ende nehmen. Diese ständigen Unterbrechungen des Spielflusses sorgen ab und an für einen leicht erhöhten Puls und wiederum dazu, dass den Geboten in Textform auch irgendwann nicht mehr so viel Beachtung geschenkt wird, wie vielleicht nötig wäre. Aber nicht nur frustrierende Textlawinen öden auf Dauer an, auch das ständige Backtracking kann dem ein oder anderen Entdecker die Stimmung etwas vermiesen, da man das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten, weil es für die Hauptstadt die x-te (Haupt-!!!) Quest in schon besuchten Gebieten zu absolvieren gibt.

Fazit

Der bisweilen 16. Tales of Teil besticht wie immer durch witzige Charaktere und einer magischen Spielwelt. Neu im Genre ist die Wahl eines weiblichen Anti-Helden. Der mutige Weg, den die Reihe einschlägt, ist eine willkommene Abwechslung im Genre, der mir persönlich sehr gefallen hat. Auch das sehr durchdachte Kampfsystem konnte bei mir punkten. Beim häufigen Backtracking, sowie der für die PS4 Konsole nicht ganz zeitgemäßen Grafik drücke ich auch noch mal ein Auge zu. Was mich aber so richtig nervt, sind die unverschämt langen, textlastigen Tutorials. Ich will hier ein Spiel spielen und keinen Roman lesen. Drücke ich die Tutorials aber weg, verpasse ich für das Spiel relevante Infos. Klar kann ich mich auch später noch durch die 10.000 Seiten Tutorials quälen, aber hätte man das im Jahre 2017 nicht irgendwie anders ins Spiel einbauen können? Eine gewisse Frustresistenz gilt es also an den Tag zu legen, ansonsten steht dem Spielspaß aber wie bei anderen Tales of Serienablegern nicht viel im Wege.

Positiv

  • Düstere Story ist mal was Anderes
  • Authentische Charaktere
  • Stimmige Panoramen
  • Innovatives, anspruchvolles Kampfsystem
  • Tolle Synchro

Negativ

  • Häufiges Backtracking
  • Lästige, seitenlange Tutorials
  • Generationenübergreifende Grafik lässt sich nicht verheimlichen
8.5

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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