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The Binding of Isaac: Afterbirth+ im Test – Mama, lass das Messer fallen!

Gute Spiele gibt es mittlerweile unzählige, hervorragende ebenfalls aber einzigartige eher selten. The Binding of Isaac zählt zu den Letzteren, seit 2011 treibt das abgedrehte Roguelike Indiespiel von Edmund McMillen und Florian Himsl sein Unwesen auf allen möglichen Plattformen. So ziemlich jeder ambitionierte Zocker dürfte eine der Versionen irgendwo in der virtuellen Bibliothek stehen haben. Und falls es da dank Steam Sale, Humble Bumble oder Ähnlichem zu vergammeln droht. Unbedingt zocken!

Böse Überraschungen warten im Keller auf Isaac!

Das Original erhielt mit „Wrath of the Lamb“ 2012 eine Erweiterung und wurde von McMillen gemeinsam mit dem Publisher aufgrund von Problemen mit Flash als Rebirth 2014 neu aufgelegt. Eines dabei ist jedoch gleich geblieben, die Vielzahl an Monstern, Gegenständen, Räumen, Bossen und unterschiedlichen Endsequenzen beeindruckte auch im Remake. Auf die Spitze getrieben wurde das Ganze mit den Erweiterungen Afterbirth und Afterbirth+. Um die Superlative auf den Punkt zu bringen, über 600 items, 13 spielbare Charaktere, mehr als 180 unterschiedliche Gegner, 90 Bosse und 20 Endsequenzen warten darauf, von euch entdeckt zu werden. Fakt: Jeder Spieldurchlauf ist anders, ganz anders.

Lange Rede, kurzer Sinn. Wir haben uns durch die Switch Version des Ausnahmetitels geweint.

Zartbesaitete Gemüter aufgepasst

Thematisch geizt The Binding of Isaac: Afterbirth+ nicht mit Seitenhieben auf alle möglichen gesellschaftlichen Tabuthemen. Alleine der simpel aber stimmungsvoll in Szene gesetzte Einstieg in das Spiel wird religiösere Mitmenschen in Schockstarre versetzen und den Rosenkranz betend aus dem Haus flüchten lassen. Die durch intensiven christlichen Medieneinfluss moralisch verkorkste Mutter möchte nämlich nichts Anderes, als den sündigen Sohn ihrem Gott als Blutopfer darzubieten. Das kommt euch in verdrehter Rolle bekannt vor? Dem völlig verstörten Junior bleibt natürlich nur noch die Flucht nach unten, in den von Monstern verseuchten Keller.

Hier geht es dann auch ohne weitere Umschweife los, feuchte Tränen verschießend flüchtet Isaac, vorausgesetzt ihr habt euch nicht für einen der separat freischaltbaren Charaktere entschieden, durch die zufällig generierten Räume in mehreren Stockwerken und setzt euch gegen die Monster zur Wehr. Dabei erinnert das roguelike Abenteuer an eine morbid-verdrehte Variante von Links erstem Ausflug in die Dungeons von Hyrule. McMillens bereits aus „Super Meat Boy“ bekannte 2D Pixel Arts sprüh-spritzen auch hier ihren düsteren, vor Blut und anderen Aussonderungen triefenden Charme auf den Bildschirm eurer Wahl. Das Spiel läuft dabei im docked als auch im mobilen Modus der Switch mit flüssigen und für einen funktionierenden Spielfluss notwendigen 60FPS.

Die Steuerung ist dabei klassisch einfach: Mit dem linken Analogstick wird euer Charakter bewegt, mit dem rechten steuert man die 4-achsige Schussrichtung. Alternativ lassen sich auch die Buttons auf der jeweiligen Seite verwenden, davon würde ich jedoch abraten. Von Raum zu Raum wandernd erledigen wir also die abwechslungsreich gestalteten Monster, zerstören Scheißhaufen und sammeln abgedrehte Gegenstände ein, die uns zum Beispiel mit Fäkalbakterien anstecken und damit den Gegner bei Berührung zerstören. Daneben legen wir noch Bomben um blockierte Türen zu öffnen oder finden im Idealfall vorher den passenden Schlüssel. Sobald uns eine Tür mit Totenkopf im Raum entgegen prangert, geht es ab Richtung Boss der jeweiligen Ebene. Auch hier bezaubert The Binding of Isaac durch seinen Abwechslungsreichtum, die Bewegungsmuster der großartig in Szene gesetzten Gegner wird analysiert und dann ordentlich die Lebensleiste beharkt. In der Hoffnung, die Begegnung auch zu überleben. Sollte Isaac das Zeitliche segnen, geht das ganze Spiel, roguelike üblich, wieder von vorne los. Und wie bereits schon angedeutet: Jeder Durchlauf spielt sich anders (außer man notiert sich den Seedcode und spielt damit erneut), nur eines bleibt gleich, am Ende wartet eure Mutter darauf, von euch bezwungen zu werden. Hört sich ein bisschen nach Pubertät an.

    Neben der klassischen Story wartet noch der Greed Mode darauf, von euch bezwungen zu werden. Zeitabhängig werden hier Monsterwellen gespawnt und wer nicht aufpasst, steht bald einer vor Blut triefenden Übermacht gegenüber. Zusätzlich gibt es mit Daily Runs noch einen Onlinemodus. Hier könnt ihr in die Dungeons anderer Spieler hinabtauchen, und versuchen, deren Highscore zu knacken.

    Ab in den Keller…

    Das hervorragende Afterbirth+ gehört schlicht und ergreifend, plattformunabhängig, in jede gut sortierte Spielebibliothek. Dank Headup Games hat es hierzulande, wenn auch etwas verspätet, Anfang September eine physikalische Variante der Switch-Version in den Handel geschafft. Für Fans liegen hier als Bonus noch ein paar passende Sticker und eine überraschend gute Anleitung in der Verpackung. Um einer Preisdiskussion direkt aus dem Weg zu gehen, ca. 39 EUR werden für das Spiel aufgerufen, und auch wenn es ein Indiespiel mit Pixelgrafik ist, die Investition ist das Spiel definitiv wert. Es warten unzählige Spielrunden darauf, von euch geschlagen zu werden. Und auch nach über 50 Stunden auf der Uhr habe ich noch lange nicht alle Charaktere, Monster und Bosse gesehen, geschweige denn, alle Gegenstände entdeckt. Das ganze Spiel ist von vorne bis hinten vollkommen abgedreht und aufmerksame Geister entdecken in den stilistisch passenden, einfachen Strichzeichnungen der kurzen Zwischensequenzen einiges an offener Gesellschaftskritik, die zum Diskutieren einlädt.

    Leichte Kritik gibt es lediglich an der Steuerung auf Nintendos Hybridkonsole, diese könnte einen Mini-Ticken flüssiger reagieren.

    Im Großen und Ganzen ist „The Binding of Isaace: Rebirth+“ jedoch ganz klar ein einzigartiges, zeitloses Meisterwerk, das auch auf der Switch eine hervorragende Figur macht und sich dank der Mobilität auch wunderbar in allen möglichen Lebenslagen spielen lässt. Kaufen und suchten Leute!

    Ihr habt einen genialen Seed Code gefunden? Immer her damit!

    Positiv

    • abwechslungsreiches, einzigartiges und abgedrehtes Gameplay
    • umfangreiche Spielmöglichkeiten und Modi, wird nicht langweilig
    • zeitloses Spielprinzip
    • stilistisch einzigartig und beeindruckend

    Negativ

    • Steuerung auf Switch etwas suboptimal
    9

    In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

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