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The Legend of Zelda: Breath of the Wild im Test – Trautes Heim Hyrule

Der neueste, sehnlichst erwartete Zeldatitel ist endlich da und das mit gehörig frischem Wind. Erstmals in der Geschichte steht unserem blonden Helden Link eine komplette Open World offen, die es in unzähligen Stunden auf der Nintendo Switch oder der Wii-U zu erkunden gilt.

Trautes Heim Hyrule

Wie gewohnt startet ihr euer Abenteuer in Hyrule, dem Königreich der Serie, wenn auch diesmal auf ungewöhnlichere Weise als sonst. Nach 100 Jahren Tiefschlaf wacht Link in einer Badewannen-ähnlichen Struktur eines Tempelkomplex auf. Ohne jegliche Erinnerungen ist das einzig hilfreich erscheinende Objekt im Raum der sogenannte „Shieka Stein“, der euch fortan als stetiger Begleiter dient. Beinahe unbekleidet und ebenso unbewaffnet müsst ihr eurem Helden erst einmal das Nötigste zusammenklauben. In der Nähe befindlichen Kisten findet ihr abgetragene und schmutzig wirkende Kleidung – nicht gerade ansehnlich, aber besser als zu frieren. Der Ast eines Baumes vor dem Gebäude dient als erster Schwertersatz. Auch einen Leidensgenossen scheint es auf dem ersten Plateau zu geben, das ansonsten menschenleer ist. Ein älterer, bärtiger Herr erklärt euch an einem naheliegenden Lagerfeuer die Grundlagen des Überlebens in der Wildnis.

Nachdem ihr die Umgebung erforscht, erste Gegner bezwungen und den ein oder anderen Schrein erfolgreich gemeistert habt, wird euch das Unglück nähergebracht, dass vor 100 Jahren auf Hyrule einbrach. „Calamity Ganon“, versuchte erneut die Welt zu terrorisieren und verbarrikadiert sich derzeit im Schloss von Hyrule, indem auch Prinzessin Zelda verweilt um seine Macht zu bannen. Der Kampf vor hundert Jahren ging nicht glimpflich aus, denn sowohl die vier Champions, Reiter der „Divine Beasts“, welche Ganon hätten schwächen sollen, als auch die in Massen produzierten „Guardians“, mächtige Maschinen, die euch als Held schützen sollten, wandten sich gegen euch. Schwer verwundet verfrachtete euch Zelda in einen Tempel, indem ihr 100 Jahre regenerieren solltet, um sich Ganon in der Zwischenzeit allein zu stellen. Zeugen dieser Zeit sind rar, da normale Menschen üblicherweise keine 100 Jahre überleben können. Dennoch finden sich in der Welt einige Wesen, die das Centennium mehr oder weniger gut überstanden haben und euch bei der Suche nach euren Erinnerungen auf die Sprünge helfen.

Viele Wege führ´n nach Rom

In der Open World habt ihr mächtig viel zu erledigen, das meiste ist und bleibt jedoch optional. Wie bisherige Speedruns beweisen, könnt ihr nach dem Tutorial auch direkt ins Schloss eilen, um euch Ganon entgegenzustellen. Aber wer kauft sich schon den langersehnten neuesten Teil der traditionsreichen Videospielserie, womöglich noch inklusive entsprechender Konsole, nur um den schnellstmöglichen Speedrun zu schaffen? Das wäre doch Verschwendung!

Neben der Hauptquest, welche damit einhergeht die vier Champions erneut zu vereinen und die Divine Beasts zu mobilisieren, steht euch auch eine Vielzahl an Nebenquests zur Verfügung. Unzählige kleine Schreine, die auf der gesamten Karte verteilt wurden, enthalten massig Rätsel und Herausforderungen für euch. Meistert ihr diese, erhaltet ihr Orbs, die sich wiederum gegen mehr Lebensenergie in Form von Herzen oder mehr Ausdauer in Form von Stamina eintauschen lassen. Stamina wird beispielsweise dann verbraucht, wenn ihr in Flüssen schwimmt oder Steilhänge hinaufklettert. Auf lange Sicht ist ein Aufstocken der Ausdauer also unabdingbar, da die zu erklimmenden Berge eher größer wie kleiner werden.

Für alle Sammelfreaks gibt es diesmal anstelle von goldener Skultullas die sogenannten „Koroks“. Diese kleinen Waldgeister verstecken sich in ganz Hyrule und warten nur darauf, von euch gefunden zu werden. Als Belohnung für euren Fund erhaltet ihr Korok Samen, die ihr bei einem speziellen, größeren Korok gegen eine Kapazitäterhöhung an tragbaren Waffen oder Schilden tauschen könnt. Da die Haltbarkeit der Ausrüstungsgegenstände beschränkt ist, lohnt es sich das fleißige Suchen der Wesen, von denen es im Spiel ganze 900 Stück gibt.

Um einen bestimmten Kartenbereich aufzudecken, müsst ihr mit Link den jeweiligen Shieka Turm im Gebiet erklimmen und aktivieren. Auf der Karte könnt ihr dann Gebietsnamen, Städte und Flüsse, Felder, Wüsten, Labyrinthe sowie Vulkane einsehen. Da Hyrule ein sehr großes Gebiet umfasst ist es außerdem sinnvoll, sich für seine nächsten Reiseziele Stempel auf der Karte zu setzen, denen ihr dann leichter folgen könnt. Habt ihr einen Schrein oder Turm aktiviert, könnt ihr außerdem die Schnellreise zum jeweiligen Punkt nutzen.

Auch sonst bleiben keine Wünsche eines Abenteurers offen. Pferde können gezähmt, Berge erklommen und Fische gefangen werden. Sogar Selfies lassen sich mit dem neumodischen Shieka Stein machen, der in der Funktion auffällig einem Smartphone ähnelt. Ihr könnt auf Monster sowie Groß- und Kleinwild Jagd machen, Kräuter und Früchte sammeln und alles zu einem nahrhaften Gericht verkochen. Lebensmittel haben dabei die unterschiedlichsten Auswirkungen. Neben der Wiederauffrischung von Lebensenergie und Ausdauer können diese zum Beispiel auch mittels richtiger Zutaten dauerhaft erhöht werden. Wagt ihr euch in kalte Gefilde vor, kocht ihr euch am besten ein Dinner, dass euch wärmt, zur Jagd eines, dass eure Bewegungsgeschwindigkeit erhöht oder euren Geräuschpegel beim Anpirschen senkt.

Aber nicht nur das Essen hat Einfluss auf eure Zustände, auch zahlreiche Rüstungsteile können nun erworben werden. Rüstungen erhaltet ihr selten in Truhen oder ihr könnt sie in Ausrüstungsshops in Dörfern erwerben. Dabei finden sich auch einige Exoten die es Link beispielsweise ermöglichen schneller zu klettern, oder Wasserfälle aufwärts zu schwimmen. Da die Rüstungen anfangs noch einen sehr kleinen Rüstungswert besitzen, müssen sie an Feenquellen mit speziellen Materialien aufgewertet werden. Um die Feenquellen zu aktivieren, müsst ihr zwar einige Rubine springen lassen, allerdings gestaltet sich das Spiel mit aufgebesserten Rüstungen dafür auch um einiges einfacher.

Neben dem Eigenbedarf gibt es natürlich auch wieder zahlreiche Einheimische, die eure Hilfe brauchen. Für abgeschlossene Nebenquests erhaltet ihr Rubine, Essen oder Informationen, die ihr im Spiel gut gebrauchen könnt. Dabei sind die Quests sehr abwechslungsreich und überwiegend fordernd. Mal sollt ihr ein bestimmtes Monster fotografieren oder töten, mal verbirgt sich hinter einem rätselhaften Gedicht eines Ureinwohners ein Schrein, den ihr finden sollt, und manche Questgeber wollen von euch einen bestimmten Gegenstand sehen oder ihn gegen einen anderen tauschen.

Now you´re just a Weapon that I used to know

Der Schwierigkeitsgrad in Breath of the Wild hat im Gegensatz zu Vorgängerteilen deutlich angezogen. Nicht nur sind die Gegner stärker und agieren um einiges taktischer als aus der Zelda-Reihe gewohnt, ein manchmal lästiges Problem stellen auch die euch zur Verfügung stehenden Waffen dar. Link begnügt sich diesmal nämlich nicht mit einem Schwert und Schild, er schwingt nun auch gleichermaßen Hämmer, Äxte, Lanzen, Keulen und Hellebarde durch die Gegend. Auch Bögen und Bumerang sowie Zauberstäbe sind im verwendbaren Waffenarsenal vertreten. Was alle Waffen und Schilde (ok, fast alle) leider gemeinsam haben: sie zerbrechen regelmäßig nach einer gewissen Gebrauchszeit. Nicht selten steht ihr im Kampf also plötzlich unbewaffnet da und müsst erst nach der nächsten, hoffentlich vorhandenen Waffe greifen, um den Widersacher erneut attackieren zu können. Eure Gegner wiederum scheinen das Problem überhaupt nicht zu haben … Erst wenn ihr den Feinden die Gegenstände gewaltsam abnehmt und sie in euren Besitz überwandern erhalten die Waffen das Gebrauchslimit.

Jede Waffe hat eine eigene Waffenstärke. Diese definiert, wie viel Schaden der Gegner bei einem Schlag abbekommt. Es sollte also genau überdacht werden, für welchen Gegner die stärkste Waffe eingesetzt werden soll. Weiterhin können Zweihandwaffen wie Claymores oder Speere nicht mit einem Schild verwendet werden, was bei einigen Gegnern aber unabdingbar ist. Ein häufiger Waffenwechsel, der leider etwas umständlich daherkommt, ist also angesagt.

Auch solltet ihr euch anfangs nicht an die größten Monster wagen. Da die Open World keine festen Grenzen hat, findet man sich schon einmal Feinden Gegenüber, die auf dem derzeitigen Stand nicht zu bezwingen sind. Also lieber erst mal einen weiten Bogen um den Widersacher machen und mit besserer Rüstung und mehr Lebensenergie wiederkommen. Irgendwann klappt es dann auch und ihr bezwingt die stärksten Monster. Als Belohnung erhaltet ihr seltene Materialien, mit denen ihr Elixiere kochen oder wiederum Rüstungsteile aufwerten könnt.

I need a Rupee, Rupee

Musste man in Vorgängerteilen bei vorübergehender Armut nur an die 500 Töpfe zerschmettern, geht man hier auch sparsamer mit Rubinen um. Selten lassen Gegner Rubine fallen, häufiger findet man sie in Truhen oder unter Steinen. Wer wirklich Kohle machen will, um sich zum Beispiel ein kleines Eigenheim zu kaufen oder große Feen aktivieren zu können, sollte eigens zubereitete Mahlzeiten verkaufen. Fleischspieße, die die maximale Lebensenergie regenerieren, stehen hoch im Kurs und können so oder so gerade anfangs noch nicht selbst adäquat verwendet werden.

Habt ihr den ein oder anderen amiibo am Start, so können auch diese im Spiel benutzt werden. Für normale amiibos gibt es reichlich frische Kochzutaten, bei speziellen Zeldafiguren springt zusätzlich noch eine Kiste mit exklusiven Rüstungs- oder Waffengegenständen heraus. Auch ein berühmtes Reittier ist leider nur ausschließlich über diesen Weg zu erhalten.

If I could turn back time

Nicht selten kommen euch Einwohner, Schauplätze oder Lieder mehr als bekannt vor. Aufmerksame Spieler werden die ein oder andere Ruine entdecken, die sie aus einem ganz anderen Zelda-Teil kennen dürften. Es scheint tatsächlich eine Verbindung zu den meisten Ablegern zu geben. Auch die Geschichte vom immer wiederkehrenden Feind Ganon vermag die Geschichten der vergangenen Spiele zumindest ein Stück weit zusammenzuführen. Manche Schauplätze sind sogar nach ehemaligen Einwohnern aus Hyrule benannt. So gibt es Beispielsweise einen Ruto-See, der sich im Zoragebiet wiederfindet. Auch ein paar altbekannte Gesichter treffen wir während des Spieles wieder. Alles in allem fühlt es sich trotz der großen Veränderung irgendwie vertraut und sehr nostalgisch an im neuen Hyrule. Nicht zuletzt diese Vertrautheit verleiht dem Spiel seine einzigartige Atmosphäre.

Dank des wiedereingeführten Tag und Nachtzyklus kommen nachts auch wie gewohnt die Fledermäuse und Skelette aus dem Boden. Neu ist auch das Wetter, das in jedem Teilgebiet variiert und sich auch von Stunde zu Stunde wechseln kann. Das Wetter beeinflusst euer Abenteuer mehr, als es zunächst den Anschein hat. Tragt ihr bei Stürmen beispielsweise Waffen aus Metall, so lauft ihr Gefahr vom Blitz getroffen zu werden, bei Regen werden Felsen rutschig und das Erklimmen eines Gipfels wird zur Zerreißprobe. Manchmal fällt sogar eine Sternschnuppe vom Himmel. Auch einige Geheimnisse lassen sich nur zu einer bestimmten Tageszeit entdecken. Leider hat Link im neuen Titel weder auf die Tageszeit noch auf das Wetter Einfluss. Manchmal ist viel Geduld gefragt, wenn auf ein bestimmtes Ereignis gewartet werden muss. Alternativ könnt ihr ein kleines Lagerfeuer anzünden und Link dazu anweisen, bis zu einer bestimmten Tageszeit zu warten. Ob dann allerdings das Wetter wieder mitspielt …

Obwohl auf die Hintergrundmusik weitestgehend verzichtet wurde, empfindet man die Stille nicht als störend, sondern eher als „natürlich“. Wird doch einmal eine Melodie abgespielt, so steht sie meist für ein bestimmtes Event, das gerade in der Nähe stattfindet. Vertraute Melodien finden sich ebenfalls vereinzelt im Spiel. So spielt bei den Ställen, in denen ihr bis zu fünf gezähmte Pferde registrieren könnt, beispielsweise Eponas Lied das aus Ocarrina of Time bekannt ist.

Fazit:

Im neuen Zelda erwartet euch eine wunderschöne neue Welt, eine für Fans einzigartige Atmosphäre und farbenfrohe, lustige Charaktere. Mit über 100 Schreinen, 900 Koroks und unzähligen Nebenquests wird es einem nie langweilig. Es gibt extrem viel zu entdecken und herauszufinden, kleine, große und wirklich gigantische Gegner zu bezwingen – sofern ihr euch traut. Aber auch wenn ich nur durch Hyrules Steppen zum nächsten Ziel reitet, macht Zelda – Breath of the Wild noch extrem viel Spaß. Auch in Links neustem Abenteuer kann man den ein oder anderen Kritikpunkt finden: Einige Texturen sind nicht die saubersten, manche Gegner auch mit der vermeidlich besten Rüstung noch unerbittlich, die Tastenbelegung zumindest zu Anfang gewöhnungsbedürftig, das ständige Umziehen und Wechseln von Waffen relativ umständlich und vom Abrutschen an nassen Felswänden will ich hier gar nicht erst anfangen … ABER: Zelda gleicht diese kleinen Mankos durch so viele Dinge wieder aus, dass man auch nach einer schlaflosen Nacht viel lieber blau machen würde um weiterzuspielen, als zur Arbeit oder sonst wo hin zu gehen. Essen? Duschen? Vollkommen überbewertet …

 

 

Bei einem Open-World Zelda RPG mit massiven Spielmöglichkeiten darf man als interessierter Spieler natürlich auch gerne mal locker zum Lösungsbuch greifen. Piggyback hat uns auch dieses Mal mehrere Exemplare zur Sichtung und Verlosung (läuft bereits) bereitgestellt und wir konnten uns daher auch einen Einblick über die Qualität des über 350-seitigen Buches verschaffen. Wie gewohnt gibt es auch dieses Mal wieder mehrere Varianten. Einsteiger greifen zum mit ca. 19,99 EUR recht günstigen Taschenbuch, wer etwas mehr haben möchte, kann sich direkt die 10 EUR teurere, gebundene (und links auch abgebildete) Special Edition gönnen. Die wunderschöne Deluxe Edition ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr ohne Weiteres verfügbar und dürfte nur für absolute Sammler eine Option sein.

 

Wichtig natürlich: Der Inhalt. Hier zeigen die Profis bei Piggyback erneut ihr Können. Das Lösungsbuch wurde wunderschön und gleichzeitig auch funktional gelayoutet. Trotz der Komplexität des doch sehr offenen und daher auch individuell spielbaren Titels wird uns Spielern hier alles an wertvollen Infos bereitgestellt, um sich entweder die Hilfestellung direkt beim spielen zu holen. Oder (das würde ich empfehlen) vor einem zweiten Durchgang nachlesen, was man eventuell dann doch verpasst hat. Hier finden sich Infos zur Hauptstory, den Nebenaufgaben, den Schreinen, Herausforderungen, Monstern, Gegenständen, einfach alles, was des Spielers Herz begehrt. Ebenfalls toll gemacht und äußerst hilfreich: Die beigelegte, doppelseitige Karte der Special Edition. Diese lässt keine Wünsche übrig und beeindruckt durch die Darstellung der Größe dieses JRPG-Meisterwerks. Daher: Fans MÜSSEN auch beim Lösungsbuch von Piggyback zugreifen!

 

Positiv

  • Gigantische Entdeckungsmöglichkeiten
  • Vielfältige Spielelemente
  • Vielzahl an Quests
  • Riesige, liebevoll gestaltete Spielwelt
  • Bezug zu früheren Titeln
  • Tag- und Nachtzyklus beeinflusst die Umwelt
  • Lange Spieldauer

Negativ

  • Teilweise umständliches Handling (Waffenwechsel, Kochen)
  • Schnelle Abnutzung der Waffen
10

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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