Einloggen

Lost Password

Tokyo Mirage Sessions #FE – Gelungener Zeitvertreib

Durchgeknallter könnte es wahrscheinlich gar nicht sein: Das durchaus komische Shin Megami Tensei-Universum trifft auf das etablierte Fantasy-System von Fire Emblem. Verpackt wird das Ganze in einer J-Pop-Idol-Geschichte, die so merkwürdig ist, dass man das Spiel (wenn auch nur aus Bewunderung für den Mut) mögen muss!

Der Charme der Verrückten

tokyo_mirage_sessions1

Tokyo Mirage Sessions #FE ist SEHR japanisch

Selten hat es mich so viel Geduld gekostet durch die ersten zwei Stunden eines Spiels zu kommen – bis man sich an das total verrückte Setting der Kooperation zwischen Shin Megami Tensei (Atlus) und Fire Emblem (Nintendo / Intelligent Systems) gewöhnt hat, dauert es seine Zeit. Hat man diese Phase überwunden, ist man überraschend tief drin im Sog des bunten Dramas. Denn Tokyo Mirage Session #FE erzählt seine Geschichte mit einer solchen Inbrunst und Authentizität, dass man gar nicht anders kann als sich geschlagen zu geben und mitzumachen. Aber eines nach dem anderen, versuchen wir erst einmal die Story zusammen zu bekommen:

Wie in den meisten Shin Megami Tensei-Spielen (bspw. der Persona-Reihe) befinden wir uns in der Haut von Teenagern. In diesem Fall sind es Tsubasa Oribe und Itsuki Aoi, die sich in einer Talent-Agentur in Shibuya wiederfinden und als zukünftige Superstars im Showbiz angeworben werden. Klingt erst einmal ganz gut, nachdem sich aber herausstellt, dass die Agentur gleichzeitig auch das Trainingslager für Mirage-Masters ist, hört der Spaß auf (oder vielleicht fängt er da gerade erst an?). Aber was sind jetzt wieder Mirage-Masters? All jene mit dieser Bezeichnung haben die Fähigkeit Mirages zu rufen, die in der Gestalt von Fire Emblem-Figuren und Monstern stecken. So beschwören Itsuki und seine Freunde beispielsweise Chrom oder Tharja aus Fire Emblem: Awakening. Nötig ist das, weil feindliche Mirage die „Performa“ (kreative Energie) von Schauspielern, Sängern und Co klauen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Umso weiter die Geschichte voranschreitet, umso mehr japanische Pop-Kultur findet Ihr vor. Na, hab ich zu viel versprochen? 

Wer bspw. Persona kennt, der wird das Mirage-System bekannt vorkommen – in Toyko Mirage Session #FE sind die Beschwörungen genau so geregelt wie hier. Um ein bisschen Twist in den Artstyle zu bringen, wurden die Mirages etwas düsterer gestaltet. Mutet das zuerst etwas komisch in der bunten Welt von Shibuya an, gewöhnt man sich auch hier schnell dran.   

Her mit dem Gameplay

tokyo_mirage_sessions4

Das Kampfsystem ist eines der Highlights des Spiels!

Ja, Tokyo Mirage Session #FE  Dialoge können ermüdend sein, umso besser, dass das rundenbasierte Kampfsystem  überzeugen kann. Hier vermischt sich das Beste aus beiden Spiele-Reihen: Aus Shin Megami Tensei wurden die Zaubersprüche und Elemente (inklusive Resistenzen und Schwächen) übernommen, während Fire Emblem das bewährte Schere-Stein-Papier-Prinzip dazusteuert. Auch wenn der Titel sonst mit ungewöhnlichen Ansätzen glänzt, die Battles sind Rollenspiel-typisch – von physischen Angriffen, über Items, die Euch buffen, bis hin zu Spezialfähigkeiten und der Möglichkeit die Gruppenmitglieder zu wechseln. Angenehm normal, einfach zu verstehen und trotzdem strategisch interessant. Trifft man beispielsweise die Elementarschwäche des Gegners oder erzielt einen kritischen Treffer, wird eine „Session Attack“ ausgeführt, durch die Charaktere neben ihrem eigentlich Zug nochmals angreifen. Außerdem gibt es Kombo-Angriffe, auch zusammen mit anderen Charakteren, die mit Cutscenes eingeleitet werden.  Die Kampfszenen sind allesamt wunderbar (gewohnt bunt und verrückt) animiert und selbst nach vielen Auseinandersetzungen kann man sich nicht sattsehen- und spielen.  

Einen großen Teil seiner Zeit in dem Mash-Up verbringen wir dem Durchforsten von Dungeons.  Designed sind die Areale immer anders und haben jedes Mal ein bestimmtes Thema, zum Beispiel das Set eines japanisches Horrorfilms oder ein Fernseh-Studio. Eine oder mehrere Aufgaben führen Euch immer hierher: Es gibt nicht nur Gegner, die zufällig auftauchen, sondern natürlich auch Quests und Puzzles, die mitunter frustrierend sein können, wenn man nicht darauf steht seinen eigenen Kopf zu benutzen – hier nimmt einen das Spiel definitiv nicht an die Hand.  Zugegebenermaßen, trotz all der unterschiedlichen Themes gestalten sich die Dungeons mitunter repetitiv.

In Eurer virtuellen Freizeit könnt Ihr Zeit mit Euren Kameraden verbringen und im sehr leeren Shibuya herumlaufen. Leider präsentiert sich das Social-System bei Weitem nicht so gut wie beispielsweise in Persona. Die Nebenquests in der Stadt zu machen und eine bessere Beziehung mit seinem Team aufzubauen, macht aber trotzdem Sinn – eine Gelegenheit seine Mirages aufzuleveln und neue Gegenstände zu erhalten sollte nie ausgeschlagen werden.

Feuerwerk und Faulheit

tokyo_mirage_sessions5

Fusion gelungen?

Die Fusion der zwei Reihen macht auch grafisch einiges her, hat leider aber auch seine Schwächen. Wie weiter oben schon genannt, sind die Kampfanimationen gelungen und machen auch nach mehrmaligen Sehen noch Spaß. Auch in der Levelgestaltung, dem Interface, den Kostümen und Co bleibt sich das Spiel treu – alles ist bunt, übertrieben und japanische Pop-Kultur pur (mit den Anime-Cutscenes fange ich am Besten gar nicht erst an). Auch der Soundtrack hätte besser nicht sein können, ein J-Pop Lied trifft auf das nächste und alles ist so schön kitschig, dass man selbst als eher mit Skepsis behafteter Spieler mitwippt (auch wenn man es nicht zugeben will). Außerdem hatte ich beim Testen weder Ruckler, FPS-Einbrüche oder Grafik-Glitches – alles lief gut. Trotzdem, bei all dem Lob gibt es auch ein paar negative Punkte zu nennen. Unter anderem läuft Tokyo Mirage Session #FE nur auf  720p und 30fps, natürlich ist die Wii-U nicht die technisch stärkste Konsole, das Spiel allerdings auch nicht so grafikaufwendig, als das Atlus hier nicht hätte aufstocken können. Ob einem die, meist nur mit Farbe ausgefüllten, Silhouetten, die NPC darstellen sollen, gefallen, liegt bei Euch. 

Deutsche Untertitel oder gar deutsche Sprachausgabe sucht man vergeblich – ja sogar eine englische Vertonung gibt es nicht. Für die Untertitel müsst Ihr auf Eure Englischkenntnisse zurückgreifen – schade für alle, die der Sprache nicht so mächtig sind. Man muss allerdings zugeben, dass die japanische Sprachausgabe auch einfach viel zu gut in das Spiel passt.

Fazit

War das eine Fahrt. Als riesiger Persona-Fan ist man einen gewissen Grad an Verrücktheit ja gewohnt, aber Toyko Mirage Session #FE bringt das Ganze noch einmal auf ein komplett anderes Level. Daher war ich auch extrem skeptisch, als ich den Titel angespielt habe – bunte Anime-Mädchen, die auch noch singend und tanzend durch Bild hüpfen sind einfach nicht so mein Ding. Und trotz alldem muss ich zugeben, dass mir das Mash-Up sehr gut gefallen hat. Okay, eventuell habe ich nicht jeden Dialog so aufmerksam verfolgt wie bei einem Final Fantasy oder Grandia-Teil, aber wenn es dann in die Dungeons und in die Kämpfe ging hatte ich sehr viel Spaß. Auch die Spielzeit kann sich durchaus sehen lassen, man hat hier eben ein typisches (und manchmal auch nicht so typisches) RPG vor sich. Fans von Fire Emblem könnten dennoch vielleicht etwas enttäuscht sein: Der #FE-Part kommt mitunter doch ein wenig zu kurz. Trotzdem:  Mit Toyko Mirage Session #FE macht Atlus kaum etwas falsch und bietet einen gelungenen Zeitvertreib für mich bis FFXV / Persona 5 herauskommt – sie setzen auf das Altbewährte und mixen es mit neuen Ideen. Da könnte sich Square Enix ja vielleicht mal eine Scheibe von abschneiden, hm?

 

Positiv

  • Sehr fröhlich und bunt
  • Extrem "japanisch" - für JPop-Fans klasse
  • Unterhaltsames Kampfsystem
  • Passender Soundtrack
  • Viele Klischees

Negativ

  • Extrem "japanisch" - Übertriebene und bunte Darstellung
  • Dungeons wirken oftmals repetitiv
  • Eher dünne Story
  • Keine deutsche Lokalisierung
8

Mit zarten 5 Jahren ihre ersten Spiele durch ihren großen Bruder erlebt - Tomb Raider und Resident Evil. Seitdem mit der Gaming-Sucht infiziert. Zockt quer durch jedes Genre, liebt vor allem aber gute Storys. Hat die Leidenschaft zum Beruf gemacht - studiert Intermedia Design mit Schwerpunkt Gaming und ist seit 2016 bei Gamers.de.