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Total War: Attila – Hunnen, Baby, Hunnen!

Von Andreas Herbster am 26. Februar 2015

Attila der neuste Teil der beliebten Strategiespiel-Reihe aus dem Hause Creative Assembly drängt auf den Markt, in seinem Gefolge ein Hauch von Endzeit.

 

Das einst so mächtige Römische Reich hat seinen Expansionsdrang eingestellt. Mittlerweile unter dem Banner des Christentums marschierend, ist das Reich Cäsars gespalten in das Ost- und Weströmische Reich. Die Tage des glorreichen Imperium Romanum sind gezählt (so scheint es jedenfalls), der Kampf ums nackte Überleben hat begonnen.

Das Kriegsgebrüll der Barbaren hallt durch die Wälder, Berge und Fjorde. Armut, Hunger und Seuchen drängen die Stämme zu neuen Ufern. Die Verzweiflung im Rücken beginnt der Kampf um neuen Lebensraum: Die Völkerwanderung hat begonnen! Das Sassanidenreich im Orient prosperiert und sinnt auf eine Erweiterung seines Einflussbereichs und in der zentralasiatischen Steppe erhebt sich die Geißel Gottes, Atilla himself, zu einem beispiellosen Beutezug durch die geschwächten, zerrütteten Reiche. Der Hunnensturm auf Europa ist entfesselt und wer sich der Unterwerfung verwehrt, hat einen sicheren Platz unter den Hufen seiner Reiterhorden.

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Die Ausgangslage ist düster und die Welt im rasanten Wandel. Der Spieler wird mitten in diese apokalyptische Atmosphäre geworfen. Attila kommt in einem weitaus weniger glanzvollen Gewand daher als sein Vorgänger Rome II. Das bewährte Gameplay der Total War- Reihe wurde dabei  im Großen und Ganzen beibehalten, stellenweise nur noch verfeinert. Wen die Detailversessenheit von Rome II ansprach, der wird Attila lieben! Um nur einige Neuerungen zu nennen: Die Einheitenvielfalt der verschiedenen Fraktionen wurde individualisiert und generell erhöht, ebenso die Möglichkeiten beim Fraktionsmanagement, reine Nomadenfraktionen sind in der Kampagne verfügbar, es gibt spezielle Provinzboni für die Zugehörigkeit der Bevölkerung zu den verschiedenen Religionen, sowie die Möglichkeit Siedlungen komplett niederzubrennen und das „bereinigte“ Gebiet neuzubesiedeln, dies löst Immigrationsströme der vertriebenen Bevölkerung in Nachbarprovinzen aus und und und.

Die Kampagne wird nicht zuletzt durch all diese Neuerungen anspruchsvoller als die der Vorgängertitel. Ob man nun als Oströmer sein Reich sichern und zusammenhalten will, als Vandale gedenkt die sprichwörtlich gewordene Plünderparty in  der ewigen Stadt zu feiern oder an der Spitze einer hunnischen Nomadenarmee feindliche  Provinzen dem Erdboden gleich machen will, es gibt keinen Masterplan für Glanz und Glorie! Die stetige Völkerwanderung, der Ausbruch von Seuchen und Bürgerkriegen und nicht zuletzt die allgegenwärtige Bedrohung durch die erbarmungslosen Hunnen lassen die Kampagne dynamischer erscheinen: fest abgrenzbare, beständige Reichsgrenzen bilden die absolute Ausnahme.

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Auch die Dynamik der Echtzeit-Schlachten hat sich gewandelt. Die KI wirkt ausgereifter und vor allem Veränderungen beim Moralsystem werden schnell deutlich: Einheiten erleiden schneller Moralschocks, erholen sich aber auch schneller davon und kehren zurück zum Schlachtgeschehen. Es entsteht der Eindruck die Situation an der Front sei wie der notgedrungene Besuch einer schäbigen Frittenschmiede: Vom Hunger getrieben geht man hin, wohlwissen was einen erwartet, frisst was einem vorgesetzt wird, tritt unter Krämpfen den Rückzug an und kehrt wenig später wildentschlossen wieder, um dem Besitzer eine Gesichtsbehandlung mit dem flüssigen Inhalt seiner Fritteusen zu verpassen.

 

Fazit

Alles in allem ist das was geboten wird ein weiterer Schritt in Richtung des Realismus, der die Total War-Reihe ausmacht und Attila ein würdiger Thronerbe, der auf einem wilden Steppenpferd einreitet und sein Erbe beansprucht. Für Total War-Veteranen ein Pflichtkauf! Neueinsteiger können allerdings schnell den Überblick verlieren. Die schier endlose Vielzahl von Handlungsoptionen in der Kampagne kann erschlagend wirken. Die Prolog-Kampagne The Gothic War sei hier als Einstieg wärmstens empfohlen. Auch die Angst vieler Rome II-Käufer eine viel zu früh releaste Version zu erhalten, die erst ein Jahr später durch Neuauflage, als Emperor Edition, wirklich spielbar wird, ist unbegründet. Creative Assembly  wartet mit einem herausfordernden neuen Kapitel in seiner Total War-Serie auf, dessen Atmosphäre, Gameplay und Grafik zu überzeugen wissen.

Positiv

  • Herausfordernde Kampagne
  • Übersichtliche Menüs in der Kampagne
  • Höherer Grad an fraktionsbedingter Individualisierung bei den Einheiten
  • Grafische Detailverliebtheit
  • Die Endzeit-Atmosphäre weiß zu fesseln

Negativ

  • Handlungsoptionen wirken in ihrer schieren Menge oft verwirrend
  • AMD-Grafikkartennutzer sehen sich seit Release diverser Probleme ausgesetzt
  • Das Kommen und Gehen an der Front in den Echtzeitschlachten macht das Mikromanagement deutlich schwieriger und unberechenbarer
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In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.