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Total War: Warhammer – Experimenteller Krieg

Wer Total War kennt erwartet so einige Dinge: Packende Echtzeit-Kämpfe in interessanten Perioden unserer Geschichte, umfassende Strategie-Entscheidungen auf mehreren Ebenen und einen derart hohen Suchtfaktor, dass man kaum aufhören kann zu befehligen und zu erobern. Mit dem neusten Teil der Reihe wagt Entwickler Creative Assembly einen großen Schritt und liefert erstmals ein Total War in einem Fantasy-Setting. Aber nicht irgendeins, sondern DAS Fantasy-Universum schlechthin: Warhammer. Wieso das so gut funktioniert, erfahrt Ihr im Test.

Wenn Total War und Warhammer sich ganz doll lieb haben…

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Eindrucksvoll wie eh und je

Unsere Männer zittern beim Anblick der Massen an Gegnern, die über den Hügel auf uns zugestürmt kommen. Eigentlich verfügen wir über genügend Truppen – neben defensiv aufgestellten Speerwerfern, haben wir außerdem auch eine Reihe von Bogenschützen und berittenen Einheiten. Doch auf das was wir da erblicken waren wir nicht vorbereitet: Deformierte Fledermäuse, Skelette in glänzenden Rüstungen, die sich eigentlich gar nicht bewegen dürften und kreischende Zombies stürmen auf uns zu und ehe wir uns versehen landen die ersten Schüsse aus purer, dunkler Energie in unseren Truppen. Aussichtslos? Ja. Unmöglich? Niemals. Mit geschickten Anweisungen und Strategien können auch wir unser Schicksal noch lenken. 

…entsteht ein Epos, das alles dagewesene in den Schatten stellt.

Durch die Kooperation mit Warhammer wird ein Problem dezimiert, welches viele Liebhaber der Total War-Reihe gestört hat: es gibt wesentlich mehr Variation der einzelnen Klassen. Anders als bei Rome II oder Attila, gibt es nicht mehr nur „die Truppe mit einem scharfen Gegenstand in der Hand“, „die Einheit mit einer Wurfwaffe“ und „den Soldaten mit einem scharfen Gegenstand auf einem Pferd“. Zur Auswahl steht Euch das Imperium, die Zwerge, die Grünhäute, Vampire und, wenn Ihr vorbestellt habt, die Chaos Fraktion. All diese verschiedenen Rassen und Kreaturen weisen eine derart hohe Auswahl an unterschiedlichen Streitkräften auf, wie es wohl nur Warhammer bieten kann. Von Greifen und monströsen Trollen bis hin zu den unglaublichen Maschinerien der Zwerge – Total War: Warhammer macht es einem unheimlich schwer sich nicht in das Dark Fantasy Setting zu verlieben. Die einzelnen Figuren sind hierbei mit einer solchen Detailverliebtheit kreiert worden, dass man oftmals nicht anders kann als in das Kampfgetümmel hereinzuzoomen, um hautnah bei den Schlachten dabei sein zu können. Für Neueinsteiger der Total War-Reihe gibt es viel zu erlernen: Ihr kommandiert nicht nur Eure Armee im Kampf, sondern verwaltet Eure Städte inklusive deren Infrastruktur, übt Euch in Diplomatie und steuert Euren Feldzug über die riesige Weltkarte. Kein Zweifel: Diese beiden Größen profitieren derart voneinander, dass sich uns die Frage stellt, wieso es dieses Spiel nicht schon viel, viel früher gab.

Muss alles perfekt sein?

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Es gibt viel zu entdecken, oder doch nicht?

So groß wie die Weltkarte auch ist, sehr schnell kommt während der Kampagne das Gefühl auf fast alles gesehen zu haben. Hat man einmal alle Fraktionen ausprobiert und einige Züge mit ihnen ausgeführt, macht es kaum Sinn neu anzufangen, da der Startpunkt jedes Mal der Selbe ist. Das Einzige was Ihr ändern könnt, ist der legendäre Lord mit dem Ihr startet. Dazu kommt, dass jede Rasse jeweils auch nur zwei von ihnen zur Auswahl hat. In vorherigen Total War-Teilen gab es bei Kampagnen-Start mehrere Startpunkte und Szenarien – ein klarer Rückschritt also, jedoch einer von wenigen.  Eben erwähnte Lords und Helden stellen aber auch eines der größten Highlights und Neuerungen dar.  Mit Hilfe von Fertigkeitsbäumen  verwandeln sie sich schnell in mächtige Ein-Mann-Armeen, die zusätzlich auch noch die Moral der umstehenden Kameraden erhöhen. Waren es früher noch einfache Generäle, die zwar auch ihren Job taten, aber nicht besonders zur Geltung kamen, sind es heute imposante Gestalten, an Kraft kaum zu überbieten. Auch hier beweist Creative Assembly wieder ein geschicktes Händchen: Alle Lords und Helden sind bedeutende Figuren der Warhammer-Geschichte. 

Die Kampagnen einmal durchzuspielen lohnt sich hingehen auf alle Fälle, denn die Quests sprudeln nur so von überraschenden Momenten, toller Vertonung und  intensiven Schlachten. Leider wird dem Spieler ein großer Teil der  späteren Aufgaben verwehrt, da Ihr oftmals Eure beste Armee einsetzen müsst um sie zu schaffen. Da Total War: Warhammer recht anspruchsvoll ist, ist es allerdings kaum möglich  Eure besten Männer und Kreaturen von Euren Städten abzuziehen, außer Ihr seid ein absoluter Experte  im Kriegswesen und habt keinerlei Probleme Euch durchzusetzen. Dadurch verpasst man einige Quests, die generell eine so gute Qualität besitzen, das man am liebsten alle machen würde. Naja, get good!

Egal, welche Klasse Ihr wählt, sie alle verfolgen eine interessante Geschichte, die untereinander zwar gewisse Ähnlichkeiten aufweist (Ihr lebt ja schließlich auch auf der gleichen Welt), aber dann doch sehr unterschiedlich ausgehen können. Episch fühlen sie sich allesamt an, noch epischer als jedes Total War zuvor, da die Welt sich wesentlich lebendiger präsentiert.

Gefahr aus allen Richtungen

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Die Schlachten sind strategisch anspruchsvoll

Das Herzstück der Reihe  ist natürlich der Kampf und dazu kann es schneller kommen, als Ihr denkt. Von allen Seiten nähern sich Feinde, Bündnisse sind fragil und  Eure Städte quellen nur so über vor quengelndem Pöbel. Gibt Ihr Euren Bewohnern nicht was sie wollen, ist eine Rebellion nicht weit entfernt . Es muss also unbedingt dafür gesorgt werden, dass Ihr alles im Auge habt!  Geht Ihr bei der Eroberung der Welt zu schnell vor, kann es passieren, dass Ihr zu erschöpft seid um Eure anderen Ländereien entsprechend zu verteidigen. Kommt es zu einer Schlacht sollte Eure Armee immer gut in Schuss sein  – langweilig wird es Euch definitiv nicht bei all den Aufgaben, die Ihr zu bewältigen habt.  

Während  die  generelle Truppenbewegung und das Management aller anfallenden Entscheidungen auf  der übersichtlichen und rundenbasierten Kampagnen-Karte stattfinden, werden die Kämpfe auf den verschiedensten Schlachtfeldern ausgeführt. Sie laufen in Echtzeit ab und die richtige Strategie ist, wer hätte das bei einem Strategie-Spiel gedacht, der Schlüssel zum Sieg. Mit intelligentem Positioning , beispielsweise dem Flankieren der Feinde, lassen sich auch schier aussichtslose  Auseinandersetzungen gewinnen. Komplett auslöschen könnt Ihr Eure Gegner allein mit reiner Mann-Power im seltensten Fall, der beste Weg sie unschädlich zu machen ist sie zu demoralisieren und in die Flucht zu schlagen.  Die feindliche KI präsentiert sich dieses Mal wesentlich gewandter und reagiert intelligenter, als in vorherigen Spielen.

Multiplayer-Matches erleben mit dem neusten Teil  einen angenehmen frischen Wind. Die unüblichen Fraktionen und Truppenarten bieten Spielraum für extravagante Aufstellungen und Taktiken. Entsprechend schwerer ist es geworden andere Spieler zu analysieren und sich durchzusetzen.

Zum Leid der Total-War-Fans setzt sich die DLC-Politik auch in diesem Teil weiter unverändert fort. Zu Release Ende Mai gibt es keinerlei Möglichkeit einen ordentlichen Blut-Effekt einzustellen. Dieser wird dann in Form eines kostenpflichtigen Packs nachgereicht.  Die meisten Zusatzinhalte, wie neue Truppenarten, Fraktionen und Co, müssen ebenfalls bezahlt werden.

Fazit

Total War: Warhammer ist der mittlerweile vierte Teil, den ich aus der Reihe gespielt habe. Trotz meiner persönlichen Unfähigkeit auch nur in einem von ihnen gut zu sein, komme ich immer wieder zurück und erliege der riesigen Sogkraft  dieser Spiele. Vor der Ankündigung welches Setting wir diesmal bekommen werden, habe ich unglaublich auf „Game of Thrones“ gehofft (und das tue ich auch immer noch für den nächsten Teil!) und war dann zuerst ein wenig enttäuscht und skeptisch als es hieß, dass es Warhammer wird.  Obwohl ich das Fantasy-Genre extrem liebe, kam ich noch nie wirklich in Berührung mit  dem riesigen Universum. Das mich die neueste Erweiterung in der Total War-Reihe dann doch so mit ihrer packenden Atmosphäre überrascht, hätte ich nicht gedacht. Das ungewohnte Setting birgt viele neue Strategien und Spaß und überzeugte mich mit der Möglichkeit Magie zu verwenden, richtige Helden zu besitzen, die auch etwas bewirken können und einem angepassten und schlankeren Interface.  Es ist in meinen Augen definitiv eines der besten Spiele dieser Art, auch wenn die Tatsache, dass einige Total War Inhalte zu Gunsten von Warhammer abgespeckt wurden, etwas schade ist.  Das Experiment ist definitiv gelungen!

Positiv

  • High-Fantasy-Setting mit Warhammer
  • Typischer Total-War-Charme
  • Hoher Suchtfaktor
  • Sehr fordernd
  • Fraktionen unterscheiden sich mehr als in den Vorgängern
  • Epische Lords/Helden

Negativ

  • Nicht sehr anfängerfreundlich
  • Nimmt viel Zeit in Anspruch
  • Kampagnen haben wenig Wiederspielwert
9

Mit zarten 5 Jahren ihre ersten Spiele durch ihren großen Bruder erlebt - Tomb Raider und Resident Evil. Seitdem mit der Gaming-Sucht infiziert. Zockt quer durch jedes Genre, liebt vor allem aber gute Storys. Hat die Leidenschaft zum Beruf gemacht - studiert Intermedia Design mit Schwerpunkt Gaming und ist seit 2016 bei Gamers.de.