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Utawarerumono – Mask of Deception im Test

Utawarerumono – Mask of Deception trägt nicht umsonst einen Titelzusatz, denn im Gegensatz zum Westen ist die Hardcore Visual-Novel schon seit 2002 in östlichen Gefilden mehr als bekannt. Die Anime Serie Utawarerumono – Heldenlied, welche 2006 erschien fand sogar hierzulande einige Anhänger. Mit Utawarerumono – Mask of Deception folgt also nun eine Fortsetzung des bereits erschienenen Teiles.

Wer bin ich und was mach ich eigentlich hier?

Allein und mit nur einem dünnen Krankenhemd bekleidet wacht unser namenloser Held in einem Zelt in den Bergen auf. Eisige Kälte und blutlüsterne Monster drohen unserem Abenteurer ein schnelles Ende zu machen, als er plötzlich von einer unbekannten Schönheit gerettet wird. Unsere Retterin heißt „Kuon“ und besitzt einen flauschigen Katzenschwanz und fellbedeckte Schlappöhrchen, so wie die meisten Einwohner des uns unbekannten Landes „Yamato“. Da unser Held von Amnesie geplagt wird und sich somit auch nicht an seinen richtigen Namen erinnern kann, tauft Kuon ihn auf den Namen „Haku“. Sie versorgt uns mit neuer Kleidung und gibt uns eine fächerartige Waffe, damit wir uns in Zukunft gegen Monsterangriffe wehren können, denn – ganz im Gegenteil zu Kuon – hat Haku den Monstern wenig Kraft entgegenzusetzen. Allgemein scheinen die Einwohner Yamatos eine unglaubliche Stärke zu besitzen.

Haku ist im Vergleich ein regelrechter Schwächling und kann nicht einmal Aufgaben vollbringen, die für kleine Kinder gedacht sind. Dies bringt zwar das ein oder andere Problem mit sich, allerdings hat Haku dafür andere Vorzüge. So scheinen die Anwohner des nächstgelegen Dorfes – ebenso wie Kuon – nicht gerade die Intellektuellsten zu sein und Haku kann sich beim Lösen von Alltagsproblemen, Matheaufgaben und schon wenig später als Taktiker für den großen Mikado, den Herrscher des Landes nützlich machen. Auf seiner ca. 40 Stunden andauernden Reise trifft Haku auf zahlreiche bunte Charaktere und deckt nach und nach das Geheimnis seiner Vergangenheit und dem Lande Yamato auf.

Schön, schöner, Utawarerumono

Die Visual Novel besticht durch allerlei bezaubernde Panoramen und quirlig bunten Charakteren. Tadellos werden sowohl Hintergründe als auch Protagonisten mit viel Liebe zum Detail in einer Qualität präsentiert, mit der kaum eine Visual Novel mitzuhalten vermag. Charaktere sind zudem trotz ihrer üppigen Anzahl alle einprägsam und präsentieren beim Voranschreiten der Geschichte ihre stets zur Persönlichkeit passende Mimik und Gestik. Den ein oder andere Klischeecharakter, allen voran Haku, kann das Spiel allerdings dann doch nicht verstecken. Auch ein paar Zwischenszenen wurden als Bild gezeichnet. Diese fallen allerdings sehr spärlich aus. Oftmals werden Schauplätze recycelt oder es wird einfach nur davon geredet, in welcher Situation sich die Protagonisten gerade befinden – Schade.

Wer sich Utawarerumono kauft, dem sollte zudem bewusst sein, dass dies ein Titel für Hardcore-Novel-Fans ist und somit lesen und zuschauen die meiste Zeit beansprucht. Während andere Novellen ihren Lesefluss doch hin und wieder durch ein paar Entscheidungen oder Rätsel auflockern, dürfen wir in Utawarerumono – Mask of Deception nur etwa alle 3 – 4 Stunden aktiv an den Controller. Dies geschieht immer dann, wenn die Gruppe auf Widersacher trifft und wir diese besiegen müssen. Das macht ihr im Spiel dann in einer Strategie-Rollenspiel-Runde, die etwa 15 Minuten andauert und auf gewohntem Schachbrettfeld stattfindet. Danach geht es mit dem strikt linearen Ablauf weiter.

Auf in den Kampf … wie jetzt, schon vorbei?

Viel taktische Tiefe baut sich in den Schlachten allerdings nicht wirklich auf, da der Fokus auch nicht auf den Spielelementen liegt. Reihum bewegen sich Gegner und Verbündete aufeinander zu und können – wenn sie an der richtigen Stelle positioniert wurden – den Gegner angreifen oder Verbündete heilen.  Um das Ganze etwas spannender zu gestalten, hat jeder der Charaktere eine Elementzuordnung, die wiederum gegen Feinde zum Vor- oder Nachteil sein kann und uns auch manchmal einen zusätzlichen Spielzug gewährt. Auch Angriffe und Reichweite variieren je nach Charakter. Drücken wir während eines Angriffes im richtigen Augenblick die X-Taste, so kann dieser noch verstärkt werden. Bei Zaubern muss sie hingegen oft gehalten und im richtigen Augenblick losgelassen werden.

Die sowohl ausladenden wie auch zahlreichen Kampftutorials stehen uns leider lediglich in Textform im Menü zur Verfügung. Nach erfolgreichem Kampf bekommen unsere Kämpfer EP und steigen Level auf. Versagen wir, so sind wir nicht automatisch Game Over, sondern können die einzelnen Spielzüge zurückgehen und das Spielgeschehen an beliebigen Punkten wieder aufnehmen. Da ihr nicht wie in RPGs frei herumspazieren könnt, um so die ein oder andere Grindingsession zu absolvieren, bedient sich Utawarerumona eines anderen Tricks: Die Kämpfe können so oft ihr wollt wiederholt werden. Damit könnt ihr eure Charaktere nochmals aufleveln, sollte ein bevorstehender Kampf doch einmal zu schwierig werden. Ausrüstungsgegenstände oder Accessoires um eure Kämpfer auszustatten gibt es übrigens nicht.

Im Gegensatz zu den hervorragenden Zeichnungen ist der 3-D-Stil, der sich in den Kämpfen und manchen Zwischensequenzen sehen lässt, nicht wirklich schön. Die steifen Polygonklumpen, die zudem armselig animiert wurden, sind keineswegs mehr zeitgemäß.

Hören heißt verstehen … oder so ähnlich.

Utawarerumono – Mask of Deception bietet uns die einzigartige Möglichkeit, Englisch und Japanisch gleichzeitig zu lernen. Auf eine deutsche Text- oder Sprachausgabe wurde nämlich verzichtet. Geredet wird lediglich Japanisch, der Text flimmert nur in Englisch über den Bildschirm. Die einzig verfügbare Textsprache gestaltet sich dann auch noch als schwer verdauliche, anspruchsvolle Kost. Hinzu kommt erschwerend, dass manche Charaktere noch in altertümlichem Akzent daherreden und nicht selten zusätzlich noch betrunken sind. Aber keine Sorge, die Spielentwickler haben auch hier einen Trick auf Lager. Da passt es doch wie die Faust aufs Auge, dass 80% des Geplappers für die Narration sowieso total überflüssig ist.

Die Geschichte plätschert vor sich hin wie der Sake und das Badewasser, in dem es meist in den wirklich, wirklich, wirklich belanglosen Geplänkeln geht. Die ersten zwei Drittel des Spieles scheinen die Charaktere nicht viel zu tun außer Essen, shoppen (meist Essen shoppen) oder Baden zu gehen. Das kann nach fünfzehn Stunden ohne nennenswerten Storyfortschritt schon mal ziemlich öde werden. Eigentlich unfair, denn nach ca. 20 Stunden wird das Leseabenteuer erst einmal interessanter und dann überschlagen sich natürlich die Ereignisse viel zu schnell.

Was man dem Titel aber trotz allem zugutehalten muss, ist die auditive Untermalung. Herausragende Synchronsprecher, die wirklich jeden noch so kleinen Dialog synchronisiert haben, wunderschöne Hintergrundmelodien und stimmige Sounds wissen voll und ganz zu überzeugen.

Fazit:

Holprig war der Start mit Utawarerumono – Mask of Deception. Dabei wollte ich als Visual-Novel- und großer Anime-Fan den Titel doch so gerne ganz toll finden, aber auch ich brauchte einen sehr langen Geduldsfaden, der mich trotz der wunderschönen Zeichnungen und den sympathischen Synchronsprechern nicht nur einmal im Stich ließ. Die Story zieht sich zäher wie ein altes Kaugummi. Nur immer wieder viele Nacktszenen und Saufgelage – oder beides … Jaja, alles schon gehabt, alles schon gesehen. An japanischem Klischee mangelt es hier jedenfalls nicht. Die Kämpfe sind ganz in Ordnung, nichts Überragendes, die Story an für sich solide, geht aber durch das Stundenlange öde Gelaber einfach gnadenlos unter. Also nächstes Mal mehr Story und weniger lauwarmer Brei, dann klappt es auch sicher besser mit dem Nachfolger, der schon in den Startlöchern steht. Und noch eines sei hier deutlich gesagt, der Titel ist nichts, aber auch gar nichts für sechsjährige. Schwere englische Sprache, endlos viele Nacktszenen und ständige Anspielungen auf Sex werden nur noch durch meterhoch spritzende, den Bildschirm rot färbende Blutfontänen oder detailliert beschriebenen Hinrichtungsszenen getoppt. Es sterben viele Charaktere auf nicht gerade angenehme Weise, also bitte kauft diesen Titel nicht euren Kindern.

 

Positiv

  • Zahllose bunte Charaktere
  • Solide Grundstory
  • Zauberhafte musikalische Untermalung
  • Wunderhübsche Zeichnungen
  • Authentische Synchronsprecher

Negativ

  • Stundenlanges, belangloses Geplapper
  • Hauptgeschichte zieht sich ewig hin
  • Sehr wenig Gameplay (auch für eine Visual-Novel)
  • Veralteter 3-D-Stil
  • Keine deutsche Text-/ Sprachausgabe
  • Zu viel unnötig nackte Haut
7

Von

Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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