Vampyr – Aderlass im grippeverseuchten London.

Vampyr – Aderlass im grippeverseuchten London.

Gestern konnten wir uns Dontnods Vampyr auf einer Pressevorführung etwas näher anschauen oder besser: Wurde uns etwas näher erklärt. Details zum Background des Spiels gab es ja bereit zur Ankündigung auf der E3: Es existiert eine „mystische“ Welt neben uns Normalsterblichen. Sehr klassisch an die üblichen Konzepte angelehnt mit allem was dazugehört, unter anderem eben auch – das verspricht bereits der Titel – die Guten alten, leicht elitären, versteck spielenden, blutsaugenden Vampire. Soweit so gut, und wenn wir ehrlich sind, auch etwas abgedroschen. Das frische Setting verspricht jedoch einiges an Spannung: London im Jahr 1918, während der Wirren des Ersten Weltkriegs und inmitten einer spanischen Grippewelle. Ungewöhnlich und mit einem vampirischen Doktor ein durchaus vielversprechender Ansatz.  Im Grunde haben wir uns aufgrund Dontnods „Life is Strange“ Background aber erst einmal gefreut, dass es kein Vampir vs Werwolf Teenie Abenteuer mit seltsamen Beziehungs-Entscheidungen wird: „Zeig mir deine Fangzähne, Baby *hrrr*“.

Von den Entwicklern wurde während der Vorführung vehement und mehrfach betont, dass es bei ihrem neuesten Titel nicht darum geht, den moralischen Hammer zu schwingen. Böse oder gut? Irrelevant! Der Spieler soll selbst entscheiden, wie er den Protagonisten spielen möchte und welchen Stempel er der Geschichte aufrückt. Jedes vampirische Schnapperchen hat Auswirkungen auf die Spielwelt und seine Bewohner: Über die Distriktübersicht kann der aktuelle Gesundheitsstatus der Bevölkerung abgerufen werden. Details über die Bewohner der Stadt lassen sich – dies erinnert dezent an Watch Dogs – direkt anzeigen und stellen quasi den Speiseplan des untoten Herrn Doktors dar. Gönnt man sich einen grippeverseuchten Stadtbewohner und nimmt das minderwertige und weniger sättigende – aka XP – Blut in Kauf, erhöht damit jedoch den Gesundheitsstatus des Distrikts, oder zieht man ein junges, gesundes Frischblut in die Schatten, um es gemächlich auszusaugen. Keine einfachen Entscheidungen und grundsätzlich mit Auswirkungen: Saugt man dabei beispielsweise einen Familienvater aus, hinterlässt dieser eine „Trauergemeinde“, die in irgendeiner Form auf dessen Tod reagieren wird. Ein Kind könnte allein zurück gelassen werden oder seine mit blauen Flecken übersäte Frau froh sein, über dessen plötzliches Ableben. Damit diese Ereignisse ausgelöst werden sind Ruhepausen notwendig, das verstreichen der Zeit innerhalb der Spielwelt hinterlässt somit auch seine Spuren und dürfte das Spielerlebnis intensivieren.

Kämpfe samt vampirischer Fähigkeiten dürfen natürlich nicht fehlen. Gruppen von Vampirjägern – damit sind wir wieder im vorhersehbaren Rahmen – können ausgelöscht werden oder: Wir gehen den mit Pflöcken und mehr ausgestatteten Herren und Damen gezielt aus dem Weg. Erfahrungspunkte erhält man übrigens, soweit richtig verstanden, lediglich über das Aussaugen der menschlichen Bevölkerung. Der indirekte Schwierigkeitsgrad ist also auch davon abhängig, wie ich mich in der Spielwelt verhalte. Das gilt auch gleichermaßen für die Distriktkontrolle, wenn die spanische Grippe zu sehr wütet, verliere ich diesen Bezirk. Dazu kommen noch seltsam mutierende Vampire und einige andere Mysterien, die im Laufe des Spiels aufgedeckt werden müssen. 

Fazit

Damit war die ca. 30-minütge Präsentation auch schon am Ende. Geflasht waren wir, um ehrlich zu sein noch nicht. Vampyr sieht bisher nach solider Unterhaltung in einer interessanten Umgebung aus. Grafisch dezent altbacken und etwas zu düster, das Setting lässt natürlich keine sonnenüberfluteten, blumigen Auen zu. Wir hoffen daher einfach mal auf abwechslungsreiche Locations, damit uns die Trostlosigkeit der tristen Umgebung nicht zu sehr herunter zieht. Ob uns das Spiel am Ende überzeugen kann, wird von einigen Faktoren abhängig sein: Spielt es sich so offen, wie von den Entwicklern mehrfach betont und versprochen? Sind die Auswirkungen auf die Spielwelt und die Nebencharaktere wirklich spür- und sichtbar? Wenn dabei kein Molyneux rauskommt, könnte der Titel samt seiner Geschichte – das war zumindest eine von Dontnods Stärke in ihrem atmosphärischen Meisterwerk „Life of Strange“ – doch noch überzeugen. 

Nächstes Jahr wissen wir vermutlich mehr, Vampyr soll 2017 im Laufe des Jahres erscheinen.

Leider gibt es (noch) kein neues Video zu Vampyr. Daher zur Einstimmung noch einmal der E3 Trailer:

    Andreas Herbster

    In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.
    In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

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