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Victor Vran Overkill Edition im Test

Seit knapp 2 Jahren metzelt sich Victor Vran schon auf dem PC durch endlose Gegnerhorden. Für den Konsolenrelease hat Haemimont Games das Spiel ordentlich aufpoliert und um 2 Szenarien erweitert. Was diese beinhalten und ob sich das Paket als würdiger Vertreter des Hack’n Slay Genres erweist, lest ihr im folgenden Test.

Haemimont Games stammen übrigens aus Bulgarien und zeichnen sich u.a. verantwortlich für die letzten 3 Tropico Teile. Im Strategie-Bereich können sie also eine gewisse Expertise aufweisen, das Action-Genre war aber eher Neuland für das knapp 50-köpfige Team.
Das Spiel gibt es für PS4, Xbox One und den PC. Die Overkill Edition, um die es hier im Test geht, umfasst das Hauptspiel und beide Add-Ons. Alle Inhalte können aber auch separat gekauft werden.

Vor den Trümmern der Stadt…

Die innere Stimme

Das Spiel wirft uns relativ unvermittelt direkt ins Geschehen und bringt uns somit die Geschichte näher. Diese ist auch recht schnell erzählt: die Stadt Zagoravia wurde von Dämonen und allerlei anderen Schurken angegriffen und unsere Aufgabe ist es fortan die Gegnerhorden zurückzuschlagen und die Stadt Stück für Stück zu befreien. Soweit, so unspektakulär.

Dass die Story bzw. das Spiel an sich trotzdem seine Momente hat, liegt an der inneren Stimme von Victor Vran. Diese streut, übrigens sehr gut synchronisiert, immer wieder Sprüche und Anmerkungen ins laufende Spiel, die zum Spielgeschehen passen und teilweise stark von Ironie und Sarkasmus gefärbt sind. Eine schöne Idee, die das Spiel auflockert und immer an der Grenze wandelt, den Spieler zu nerven. Es entwickelt sich gewissermaßen eine Hassliebe.

Wenig Optionen, trotzdem viele Entfaltungsmöglichkeiten

Victor Vran bietet keine klassische Charakterwahl. Wir spielen als eben jener, eine Spezialisierung auf eine Klasse gibt es vorab nicht. Lediglich ein Kostüm kann gewählt werden. Das mag nun nicht jedem gefallen (gerade in diesem Genre), aber das Spiel bindet kein enges Korsett um den Charakter und man kann jederzeit im Spiel seine Waffen und seine Spielweise ändern und anpassen. Klassische Magie steht bei Victor Vran eh nicht an erster Stelle, hier wird primär gemetzelt und geballert.

Der Spielablauf ist relativ einfach. Durch Gespräche mit NPCs erhaltet ihr Aufgaben bzw. wird die Story vorangetrieben. Meistens müsst ihr in einem Gebiet den Zugang zum nächsten Gebiet finden. Diese wählt ihr auf einer Karte aus; jedes Gebiet hat dazu noch 5 optionale Aufgaben, die euch XP, Geld, Items etc. geben. Es ist durchaus lohnenswert diese Aufgaben zu erledigen, sei es im ersten Durchgang oder auch in einem zweiten oder dritten. Hierfür muss z.B. eine gewissen Anzahl Gegner in einer bestimmten Zeit getötet werden, es müssen alle Geheimnisse (= Schatztruhen) gefunden werden oder man schaltet einen Modifikator dazu, der Gegner mächtiger macht. Das bietet eine schöne Abwechslung und beschäftigt auch über die Kampagne hinaus.

Schicksalskarten. Die Qual der Wahl.

Einfach, aber vielseitig

Auch in Sachen Talente und Fähigkeiten hält es Victor Vran eher simpel. Bei jedem Stufenaufstieg bekommen wir als Belohnung die Wahl aus 3 Items. Das können Überraschungskisten, Waffen, Fähigkeitskarten und anderes sein. Einen Talentbaum gibt es nicht. Die Stats werden quasi automatisch besser und lassen sich nur über die Sachen verändern, die wir im Spielverlauf bekommen und finden.
Hier geht das Spiel also einen eigenen Weg. Dass man seine Werte durch Waffen, Amulette und Kostümen steigern kann, ist nichts Neues.

Eine frische Idee ist allerdings der Einsatz von Schicksalskarten. Diese könnt ihr im Spielverlauf finden bzw. bei Händlern kaufen. Je nach Karte bekommt ihr Bonus auf verschiedene Dinge, sei es auf den Schaden an sich oder auf die Dauer von Effekten, dem Cooldown von Fähigkeiten etc. Euch steht eine gewisse Anzahl an Punkten zur Verfügung und je besser die Karte desto teurer deren Einsatz. Hier ist also Abwägen angesagt.

In Summe hat man als Spieler genug Freiheit den Charakter an die bevorzugte Spielweise anzupassen. 2 Waffen können ausgerüstet und on the fly gewechselt werden, dazu gibt es 2 Spezialfähigkeiten, die man nach seinem Geschmack ausrüsten kann. Experimentieren ist hier ausdrücklich gewünscht und gewollt. Und macht auch Spaß.

Das Inventar bietet viel, ist dabei aber auch leider etwas unübersichtlich und nicht ganz so intuitiv zu bedienen. Kleiner Kritikpunkt einer ansonsten sehr guten Portierung vom PC.

Ein Blick ins Inventar.

Schlachtplatte deluxe

Neben dem Hauptspiel legt uns Haemimont Games gleich noch 2 weitere Teile auf die Schlachtplatte. Diese können übrigens jederzeit vom Hauptmenü aus gestartet werden, d.h. alle 3 Kampagnen sind unabhängig voneinander spielbar und jederzeit wechselbar. Vorbildlich.

Fractured Worlds ist eine Erweiterung, die sich eher an Spieler richtet, die weiter in der Kampagne fortgeschritten sind bzw. diese schon hinter sich gelassen haben. Das Levelcap wird hier auf 60 erhöht und entsprechend gibt es in den Fragmenten der zerbrochenen Welten jede Menge höherwertige Gegenstände und Rezepte zu finden. Für Langzeitmotivation sollen 4 zufällige Dungeons sorgen, die sich jeden Tag verändern und ein Endlosdungeon, genannt „Der Riss“, der mit verschiedenen Herausforderungen auf den Spieler wartet. Unterm Strich also eher eine Welt, die sich an Spieler richtet, die nach den Kampagnen noch Herausforderungen suchen.

Lemmy. 

Ein Wiedersehen mit Lemmy

Die andere Erweiterung nennt sich „Motörhead: Through the Ages“ und dreht sich um die lauteste Band der Welt und deren leider verstorbenen Frontmann Lemmy Kilmister, der auch einen Auftritt im Spiel hat. Ich hatte ehrlich gesagt einen billigen Abklatsch erwartet, aber unterm Strich ist diese Erweiterung ein klasse Paket und erst recht ein toller Fanservice an Fans der Band bzw. von härterer Musik an sich.

Grundsätzlich spielt sich das Motörhead Add-On wie das Hauptspiel. Das Übel ist hier ein stilisierter Zombie-Nazi, dem es gilt das Handwerk zu legen. Dabei trifft man auf neue Gegner und Bosse, es gibt neue Schicksalskarten und die 3 Welten strotzen von Reminiszenzen an die Band und deren legendären Frontmann. In den Gebieten gibt es jede Menge Bücher zu finden, die Kommentare von und über Lemmy enthalten, aus den Boxen wummert der lizenzierte Motörhead-Soundtrack und auch im Spielablauf selbst gibt es immer wieder Anspielungen auf Lieder und Alben.

Die Wurzel allen Übels.

Gute Arbeit, Haemimont

Technisch gibt es wenig zu meckern. Die Portierung vom PC ist gelungen, sei es die Steuerung oder die grafische Umsetzung. Das Spiel läuft jederzeit flüssig mit 60 Bildern pro Minute über den Bildschirm (Anmerkung: Testsystem war eine PS4 Pro) und lässt sich einwandfrei spielen. Ein wenig Kritik muss sich die Bedienung im Inventar gefallen lassen, das macht die Konkurrenz besser. Und ich hätte mir eine nähere Zoomstufe gewünscht, man ist doch recht weit weg vom Spielgeschehen.

Die Musik ist passend, auch die Soundeffekte. Ein Sonderlob gibt es natürlich für die Motörhead Welt mit den lizenzierten Musiken. Fett!

Der Multiplayer beschränkt sich auf Koop. Ihr könnt lokal oder online mit einem weiteren Jäger durch die Gebiete schnetzeln. Leider gibt es dabei keine Anpassung vom Level her, so dass ihr bestenfalls von Anfang an zusammen das Spiel beginnt.

Fazit

Wer das Hack’n Slay Genre mag und bestenfalls noch Motörhead oder Metal-Fan ist, kann hier bedenkenlos zugreifen. Das Spiel bietet über viele Stunden gute Unterhaltung und spielt sich einfach klasse. Das Endgame ist sicher nicht so motivierend wie beim Genreprimus Diablo 3 und auch die Beute ist weniger frequent und spektakulär. Dafür bietet es mit den Schicksalskarten und anderen frischen Ideen einen anderen Anreiz. Der liegt auf dem Ausprobieren von Karten, von verschiedenen Waffen, dem Anpassen der Spezialkräfte usw.

Wer skeptisch ist oder gar nichts mit Metal und dem speziellen Add-On anfangen kann, sollte sich zunächst das Hauptspiel anschauen. Das gibt es für 20 Euro und wer dann doch Feuer fängt, kann separat in die DLCs investieren.

Positiv

  • Motörhead!
  • Klasse Spielbarkeit
  • Spielstil individuell anpassbar
  • Großer Umfang in der Overkill Edition
  • Herausforderungen motivieren
  • Die 3 Kampagnen lassen sich jederzeit wechseln

Negativ

  • Loot eher unspektakulär
  • Bedienung im Inventar suboptimal
  • Kamera manchmal zu weit weg
  • Story bleibt nicht im Gedächtnis
8

Angefangen hat alles mit einer Tele Fever Konsole von Tchibo (!) im Jahr 1986 und dem Spiel Hobo (kennt wohl keiner). Direkt infiziert. Seitdem auf allen Plattformen unterwegs, egal ob Atari, Sega, Nintendo, Sony, Microsoft, Commodore, PC oder Exoten. Auch wenn ich heute sehr viel weniger Zeit für das Hobby habe: die Faszination ist ungebrochen.

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