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Wolfenstein II: The New Colossus

B.J. Blazkowicz ist wieder zurück. Zwar noch etwas angeschlagen, aber bereit, um ordentlich aufzuräumen. Ein reiner Singleplayer Egoshooter, der bewusst auf Multiplay verzichtet und sich auf das Wesentliche konzentriert. Kann das in der heutigen Zeit funktionieren? Und wie wirkt sich die Zensur auf den Nachfolger aus?

Vorsicht! Panzerhund!

Mein Leben!

Der heiß erwartete Nachfolger ist endlich da! 25 Jahre nach Wolfenstein 3D und drei Jahre nach dem direkten Vorgänger „Wolfenstein: The New Order“, zieht es den Protagonisten wieder in den Kampf gegen das Regime. Wie sollte es auch anders sein, wurde dem Militärveteranen eine Auszeit in Form eines Komas beschert. Noch ziemlich angeschlagen von seinem letzten Kampf gegen den Oberfiesling General Totenkopf wacht B.J. Blaszkowicz an Bord eines geheimen U-Boots auf, welches gerade vom Regime geentert wird. Es geht also fast munter dort weiter, wo der letzte Teil aufgehört hat. Wer den Vorgänger nicht genießen durfte, darf in einem ziemlich gut gemachten Rückblick die Geschichte um das Regime und die neue Ordnung kennenlernen. Der Zensur sei Dank gibt es in der deutschen Fassung keine direkten Bezüge zum Nationalsozialismus des zweiten Weltkriegs. Verfassungsfeindliche Zeichen weichen legaleren. Bezeichnungen wie Führer oder Arier werden durch verträgliche Wörter wie Kanzler und Germanen ersetzt. Somit wird „The New Colossus“ ebenfalls für den deutschen Markt verträglich gemacht.

Werden wir gerade mit dem Postboten verwechselt?

Kommen wir zurück zur Story. Fünfzehn Jahre nach dem zweiten Weltkrieg hat das Regime als Pendant zu den Nazis die Welt in seiner Hand. Blaszkowicz, der nach seinem Kampf ziemlich angeschlagen ist, kämpft sich mit seinem Rollstuhl durch die engen Gänge des U-Boots. An dieser Stelle sei direkt gesagt: Wählt eure Schwierigkeitsstufe weise! War es auf den schwereren Schwierigkeitsstufen gar unmöglich, lebend vom U-Boot zu kommen, lief es bei den ersten Stufen teilweise ziemlich einfach. Seid darauf gefasst, dass ihr so oder so im Rollstuhl nicht gut mit der Waffe umgehen könnt. Gerade für Einsteiger ist es seltsam, wenn die Waffe, die euch ein Soldat kurz vor seinem Tod überlassen hat, schwerer das Ziel findet. Habt ihr es dann endlich an die frische Luft geschafft, geht es auch wieder in gewohnter Manier zum Soldaten-Abschlachten. Fast wie eine Gazelle könnt ihr springen, schleichen und durch die anfangs linearen Levels umherwandern.

Krisensitzung in der Zentrale des Widerstands

Mutti!

Die kühle blonde Frau Engel aus dem ersten Teil beglückt euch aus dieses Mal mit ihrer Todeslust und erweist sich gerade am Anfang als eure fieseste Gegenspielerin. Über ein atomar verseuchtes New York führt euch der weitere Weg bis hin zur bekannten Area 51. Natürlich kann man sich schon fast denken, was einen hier erwartet. Aber erlebt es selbst. In den ungefähr 10-15 Spielstunden bekommt ihr wieder derben Humor mit spitzen Seitenhieben. Man merkt direkt, dass alle Liebe in der Solokampagne Platz gefunden hat. Schon lange habe ich keine so interessanten Zwischensequenzen gesehen, wie beim aktuellen Wolfenstein. Die Geschichte zur Niederschlagung des Regimes zeichnet sich durch seine Offenheit mit dem Umgang von schwierigen Themen aus und sorgt für einige überraschende Wendungen. Neben Rassismus und häusliche Gewalt werden auch Themen wie Tiermissbrauch etc. angesprochen und teilweise überzeichnet dargestellt. Schliesslich soll Wolfenstein kein Aufklärungsspiel sein. Es soll Spaß machen! So kommt es gut vor, dass die eigentlichen Nazis ziemlich durch den Dreck gezogen werden.

Der Beginn im Rollstuhl.

Der Spielverlauf ist anfangs durch die linearen Level vorgegeben. Hat man den frustreichen Einstieg mit dem Rollstuhl Level hinter sich gebracht erwarten euch Soldaten in Hülle und Fülle. Dementsprechend erhaltet ihr auch ein ordentliches Waffenarsenal zur Hand, mit dem ihr euch austoben könnt. Mithilfe der versteckten Waffen Kits könnt ihr 08/15 Waffen upgraden und so auch schwierige Gegner mit euren panzerbrechenden Waffen eliminieren. Euer Multifunktionswerkzeug ist dieses Mal eine Axt, mit der ihr euch Zugänge durch Material und Mensch verschaffen könnt. Aber auch die Vielzahl der Waffen kann sich sehen lassen. Munition erhaltet ihr über die Level verteilt. Ebenso, wie Medipacks, die euer Leben auffrischen. Ein Verstecken und Warten, dass der Gesundheitsbalken wieder voll wird, funktioniert hier nicht. Die Anzahl der Gegenstände ist ebenfalls dem Schwierigkeitsgrad angepasst und wird natürlich weniger, je schwerer ihr spielt. Wer sich Anfangs vertan hat, kann aber jederzeit während dem Spiel wechseln.

Schöne neue Welt. Es geht auch anders.

Nieder mit dem Regime!

Blaszkowicz, der auch liebevoll „Terror-Billy“ genannt wird, hat keine klassische Fähigkeitsentwicklung. Euer Spielverhalten bestimmt, in welche Richtung er sich entwickelt und welche Boni euch dann zur Verfügung stehen. Mit den jeweiligen Vorgaben könnt ihr bei Erreichen von Kopfschüssen, den Umgang mit Waffen verbessern. Seid ihr gut im Schleichen wird das ebenfalls belohnt und verbessert diese Fähigkeit. So passt sich B.J. hervorragend eurer Spielweise an und ihr müsst nicht großartig Zeit mit der Vergabe von Fähigkeitspunkten vergeuden und könnt alles um euch herum noch etwas mehr genießen. Gerade die Umgebung und die versteckten Details sind ein Hauptaugenmerk des neuen Ego-Shooters aus dem schwedischen Hause MachineGames. Überall versteckt gibt es Plakate mit witzigen Werbebotschaften oder Anspielungen, die euch ein Grinsen abverlangen. Das Ganze wird durch eine recht gute deutsche Synchronisation abgerundet. Zugegebenermaßen wäre das Englische Original mit deutschen Zwischenrufen um einiges besser. Aufgrund der hiesigen Zensur, müssen wir auch hierauf verzichten und erhalten auch gar nicht die Möglichkeit, das Spiel auf die Originalsprache zu switchen. Dort wurde schliesslich nicht der Führer ersetzt und auf political correctness geachtet.

Es scheppert in der Zitadelle

Fazit

Endlich geht es den Nazis wieder an den Kragen. Groß geworden mit Wolfenstein 3D und den nachfolgenden Spielen waren meine Erwartungen an „The New Colossus“ schon recht hoch. Schliesslich hat „The New Order“ ziemlich Bock gemacht. Seltsamerweise wurde ich dieses Mal auch gar nicht enttäuscht. Zugegeben…das Anfangslevel war wirklich nervig und auf hoher Stufe kaum zu schaffen. Und auch die manchmal schlechte Präzision beim Zielen raubte mir anfangs die Geduld. Was ich auch nicht verstand war die Tatsache, dass man trotz Einsammeln der Gegenstände durch Drüberlaufen trotzdem die Möglichkeit der Tastennutzung angezeigt bekommt. Ihr merkt schon das Jammern auf hohem Niveau. Spielerisch und vor allem Storytechnisch hat Wolfenstein II ziemlich gut abgeliefert. Die sehr gut fortgesetzte Geschichte um den eigentlich schon toten Weltkriegsveteranen in einer alternativen Zeitlinie überzeugt in so ziemlich allen Belangen. Man erfährt mehr Hintergründe und erhält sehr liebevoll inszenierte Zwischensequenzen. Besitzer einer PS4 Pro können sich besonders über die hohe Auflösung freuen. Aber auch generell wirkt Wolfenstein butterweich beim Spielen und lässt trotz mehrerer Gegner keine Ruckler zu. Ein mehr als würdiger Nachfolger für alle, die auf eine gut erzählte Geschichte und ordentliche Action aus der Ego Perspektive stehen!

Positiv

  • Ziemlich gut umgesetzte Story
  • Trashiges WW2 Setting in alternativen Zeitlinie
  • Verhältnismäßig gute Synchronisation
  • Einzigartiges Wolfenstein Feeling

Negativ

  • Ohne Patch kaum spielbar
  • Nerviges Anfangslevel
  • Kleinigkeiten, wie Präzision oder unnötige "Hilfe" bei den Gegenständen
9

Passionierter Gelegenheitszocker mit der Vorliebe zu Adventures und JRPG’s. Durch Job und Familie beschränkt sich das Spielehobby auf die mobilen Games, die dann exzessiv gezockt werden. Auch für das Kinoportal Cinetrend.de unterwegs.