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Xenoblade Chronicles 2 im Test – Leben in einer sterbenden Welt!

Die Welt „Alrest“ setzt sich nicht etwa aus Kontinenten und Ozeanen zusammen, sondern aus einem einzigen, in die Lüfte reichenden Weltenbaum, umgeben vom sogenannten „Wolkenmeer“, welches von Titanen durchschritten wird. Die riesenhaften Kreaturen dienen den Menschen als Unterkunft, Fortbewegungsmittel und Wohnhabitate. So auch Azurda, ein vergleichsweise kleiner Titan, auf dem unser junger Hauptcharakter Rex lebt. Für Rex selbst ist Azurda Familie, denn er hat seine Eltern nie kennengelernt und wurde stattdessen von dem liebevollen Titanen adoptiert und aufgezogen. Einziges Problem an der Sache: die Titanen und somit auch Azurda werden langsam alt und sterben nach und nach aus. Somit wird auch der Lebensraum der Menschen und Tiere immer knapper.

Gestatten, Waffe in Menschenform

Achtung! Kleinere Spoiler zum Spielanfang!

Da Rex allein für seinen Lebensunterhalt aufkommen muss, verdient er sich sein Geld durch das Bergungstauchen. Dabei taucht er in das Wolkenmeer hinab und fördert Schätze zutage, die er bei Händlern verkauft. Ein Feature, das uns auch im Spiel stets zugänglich ist. Eines Tages wird Rex von einer zwielichtigen Söldnergruppe für eine groß angelegte Bergungsmission angeheuert, die ihm viel Geld verspricht. Ohne groß darüber nachzudenken, willigt er ein, sich an der Mission zu beteiligen – eine Entscheidung, die ihn fast das Leben kostet. Wäre da nicht Pyra, eine sogenannte „Klinge“, die ihm zwar den Hals rettet, ihn dafür aber bittet, sie ins sagenumwobene Land Elysium zu bringen, welches sich auf dem Gipfel des Weltenbaumes befinden soll. Eine Aufgabe, die unsere Frohnatur nur zu gerne annimmt.

Als neuer Inhaber einer Klinge stehen Rex nun mächtige Angriffe zur Verfügung. Jede Waffe besitzt ein individuelles Aussehen, ein eigenes Element und verschiedene Spezialattacken, die sie auf die Feinde herab regnen lassen kann. In Pyras Fall handelt es sich hierbei um Feuerattacken.

Klingenmeister eurer Gruppe können aber auch weitere Klingen erschaffen, indem sie mit im Spielverlauf gefundenen Kernkristallen „resonieren“. Diese Kernkristalle nehmen dann die Form eines Kämpfers an und verleihen dem Meister neue Waffen, die in die drei Hauptkategorien Angriff, Verteidigung und Heilung unterteilt werden. Pro Meister können bis zu drei Klingen ausgerüstet und im Kampfgeschehen durchgewechselt werden. Steigern wir durch unterschiedliche Aktionen die Harmonie von Klinge und Meister, so werden beide besser im Kampf. Zusätzlich erhöhen auch bestimmte Ereignisse im Spiel die Fähigkeiten unserer Begleiter, wenn wir beispielsweise eine gewisse Anzahl an Items sammeln, Freunde wiederbeleben oder x-mal ein Gericht zubereiten.

One-Hit-Wonder

Kommt es in Xenoblade zu einem Kampf, müssen wir erst mal unsere Klinge ausrüsten, sonst stecken wir zwar Schläge ein, aber hauen selbst nicht zu. Aggressive Gegner werden uns nämlich auch dann angreifen, wenn wir selbst vielleicht gar keine Tötungsabsicht gehabt hätten.

Sehen wir einen Feind, sollten wir also schleunigst die Waffe ziehen, um einen Erstschlag auszuführen. Es sei denn, es handelt sich um einen Gegner, der uns leveltechnisch deutlich überlegen ist, dann machen wir besser einen großen Bogen drum herum. Kommen wir solchen Gegnern nämlich zu Nahe, werden wir mit einem einzigen Schlag getötet. Das kann schon mal frustrierend sein, denn aus irgendeinem Grund stehen die mächtigsten Kontrahenten inmitten von Low-Level-Monstern auf Wegen, die man storygebunden nun mal JETZT (!) überqueren muss. Nachdem wir das Zeitliche gesegnet haben, werden wir fairerweise an den letzten aufgedeckten Wegpunkt teleportiert. Ein richtiges Game Over gibt es also nicht und auch die Erfahrung, die wir vor unserem Biss ins Gras gesammelt haben, dürfen wir behalten.

Im Kampf selbst agieren Rex und seine Mitstreiter weitestgehend selbstständig. Dies ist vor allem am Anfang irritierend, da wir so gar zu tun haben. Sobald wir aber Pyra im Team haben, stehen uns ein paar neue Angriffe zur Verfügung. Diese können allerdings nur dann per X-, Y- und B-Taste getriggert werden, wenn sie durch eine gewisse Anzahl an Autoangriffen aufgeladen wurden. Die neuen Angriffe laden wiederum eine Spezialattacke auf, die dem A-Knopf zugewiesen wurde. Diese hat dann mehrere Stufen, von der die letzte logischerweise am meisten Schaden verursacht. Befinden sich in eurem Team mehrere Klingenmeister, können ihre Spezialangriffe auch noch vielfältig kombiniert werden. Attacken nicht gesteuerter Charaktere werden dabei mit den Schultertasten ausgelöst. Aber so komplex sich das Ganze auch anhört – ihr werdet weder entschieden mehr Schaden als mit den Auto-Angriffen machen, noch seid ihr irgendwann durch das Knöpfchengedrücke überfordert. Die Spezialeffekte sehen ganz hübsch aus und es macht ziemlich Spaß verschiedene Kombos auszuprobieren, die Entscheidung über Sieg oder Niederlage treffen sie jedoch nicht. Hier sollten wir uns ganz einfach an der Stufe unserer Schützlinge orientieren und uns geduldig von Gegnern fernhalten, die uns zwei oder drei Level überlegen sind. Und auch vor großen Gegnergruppen ist Vorsicht geboten, sonst ziehen wir schnell den Kürzeren. Was unter anderem auch daran liegt, dass Gegner, die das Kampfgeschehen beobachten, dann auf einmal auch noch mitmischen wollen. So entstehen mitunter endlos andauernde Kämpfe mit immer wieder neuen Kontrahenten. Was das Kampfgeschehen lebendiger machen soll, sind die Zwischenrufe der beteiligten Personen. Sowohl unsere eigene Gruppe, als auch menschliche oder menschenähnliche Gegner neigen allerdings zu unheimlich vielen Wiederholungen. Jeder Charakter kommentiert in Dauerschleife seine Aktionen, die eben nicht gerade vielfältig sind. Das kann auf Dauer ganz schön nervig sein.

Sightseeing-Tour

Wenn wir unserer Zeit nicht mit Kämpfen totschlagen, erkunden wir die Rücken der Titanen und sammeln fleißig Items, die es an vorgegebenen Punkten zu finden gibt. Gefundene Gegenstände können dann zum Kochen, Handeln oder Aufwerten von Klingen benutzt werden. Beim Erkunden gestalten sich vor allem die Wegmarken als äußerst nützlich, da wir uns jederzeit an diese zurück teleportieren können. In den großen Städten finden sich Händler und hilfsbedürftige Questgeber, die alle zufriedengestellt werden wollen. Manche Einwohner hingegen haben ziemlichen Redebedarf. Unterhalten wir uns mit ihnen und übernehmen den ein oder anderen Gefallen, so werden die Preise in den Läden gesenkt und wir erhalten seltene Belohnungen. Wer außerdem in einem Laden alle Gegenstände mindestens einmal kauft, der kann anschließend eine Besitzurkunde erwerben, die nochmals die Preise drückt und verschiedene Boni mit sich bringt.  Zeitinvestitionen lohnen sich hier also allemal. Aber aufgepasst, eine vermeintlich kurze Nebenquest kann schon mal in einer Parallelstory ausarten, die sich über mehrere Spielstunden zieht. Während unserer Rast in der Stadt ist es außerdem ratsam, die neueste Ausrüstung zu inspizieren und Vorräte für die bevorstehende Reise aufzufüllen. Bei Bedarf können wir auch im Gasthaus übernachten und die Charaktere mit gesammelten Bonus-EPs aufleveln, die es ausschließlich als Belohnung für Nebenquests gibt.

Zur besseren Navigation bekommen wir während unserer Reisen eine Mini-Map und einen Kompass zur Verfügung gestellt. Allerdings zeigt die Map immer nur einen kleinen Ausschnitt, der selten genug Aufschluss über den Zielort liefert. Und auch der Kompass ist keine große Hilfe, da dieser lediglich die Luftlinie zum Ziel anzeigt. Auch dann, wenn wir uns auf dem sprichwörtlichen Holzweg befinden. So irren wir oftmals stundenlang auf der Karte umher, ohne einen Plan, wo es eigentlich lang geht, oder sprinten ein um das andere Mal um denselben Felsen um irgendeine Art Aufgang zu finden, der vermutlich ganz weit weg wo anders ist.

Lebendige Panoramen

Auf den lebenden Kontinenten herrscht eine stets epische Atmosphäre, die inklusive Tag- und Nachtzyklus geliefert wird. Sowohl die freie Natur als auch die Städte wirken sehr authentisch. Die an tierische Vorbilder angelehnten Monster und die humanoiden Weltbewohner passen fabelhaft in die jeweilige Umgebung, faszinierende Panoramen bietet Alrest trotz des dem Untergang geweihten Landes zuhauf. Überwältigend wirken auch die Giganten selbst, deren Köpfe, Schwänze oder Schultern liebevoll animiert wurden und uns in weiter Ferne immer wieder daran erinnern, dass wir auf lebendigen Wesen umherwandern. Xenoblade Chronicles 2 brilliert dabei grafisch sowohl im Handheldmodus als auch auf den größten Bildschirmen.

Das Charakterdesign wurde im Gegensatz zum Vorgänger stärker an Animefiguren angelehnt. Sowohl Stilelemente selbst wie auch der Humor erinnert immer wieder an japanische Serien. Dies verleiht den Charakteren sehr viel Witz und Ausdruckskraft. Auf der anderen Seite bleibt Xenoblade Chronicles 2 dafür aber auch leider nicht vor allgemeinen Rollenklischees verschont. Auch der Fanservice wird uns dank der spärlichen Bekleidung einiger weiblichen Heldinnen plus überdimensionalen Monsterbrüsten fortwährend (im wahrsten Sinne des Wortes) unter die Nase gerieben.

Ein paar kleine Störfaktoren gibt es außerdem in der Animation. Lippensynchronität ist in Alrest entweder ein Fremdwort oder wir haben es mit ausgezeichneten Bauchrednern zu tun – wer weiß. Das die Charaktere sehr schnelle Schwimmer sind erleichtert zwar das Spiel, nur sind die Animationen dafür um einiges zu langsam. Hier und da piksen dann auch noch einzelne Haarsträhnen durch die Kleidungsstücke der Protagonisten. Dafür ist die musikalische Inszenierung aber absolut gelungen und auch die britische Synchronisation wirkt sehr hochwertig und professionell.

Fazit:

Xenoblade Chronicles 2 verzaubert mit atemberaubenden Panoramen, quirligen Charakteren und einer gut 100 Stunden angelegten zauberhaften Geschichte, in der Freundschaft und Zusammenhalt eine große Rolle spielen. Das Spiel mag einige Schwächen haben, diese sind im Großen und Ganzen betrachtet jedoch marginal und nichts, an dem man sich zu lange aufhalten sollte, da der Spielspaß dadurch nicht essenziell gebremst wird. Das Kampfsystem braucht etwas Zeit, um in Gang zu kommen, mit ein wenig Geduld findet man sich aber gut zurecht und kann die furiosesten Attacken triggern. Britische Synchronisation und Sounds wurden fantastisch ins Spiel eingebunden und die in Dauerschleife ablaufenden Kampfzwischenrufe kann man zwischendurch auch einfach stumm schalten. Wer eine Switch sein eigen nennt und dem Titel etwas mehr Zeit einräumt, um sein volles Potenzial zu entfalten, darf also beherzt zugreifen.

Positiv

  • Spritziges Charakterdesign
  • Epische Geschichte
  • „Lebendige“ Panoramen
  • Liebevoll gestaltete Monster
  • Sehr gelungene Synchronisation
  • Fabelhafte musikalisch Untermalung
  • Gütiges Wiederbelebungssystem

Negativ

  • Braucht etwas Zeit um Fahrt aufzunehmen
  • Etwas übertriebener Fanservice
  • Gewöhnungsbedürftiges Kampfsystem
  • Kleinere Animations Faux-Pas
  • Zeitweise nervige Kampfzwischenrufe
8.5

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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