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Yo-Kai Watch 2: Knochige Gespenster & Kräftige Seelen im Test

Der Nachfolger von Yo-Kai Watch erscheint gleich in zwei unterschiedlichen Fassungen, „Knochige Gespenster“ und „Kräftige Seelen“, die sich spielerisch jedoch kaum voneinander unterscheiden. Wie bei Pokémon besteht der Hauptunterschied darin, dass es pro Version ein paar Monster gibt, die in der jeweils anderen Version nicht vorhanden sind.

Yo-Kai Was?

Aber alles der Reihe nach. „Yo-Kai“, sind meist kleine,  manchmal auch sehr große Geister, die ihren Ursprung in japanischen Erzählungen haben. In „Yo-Kai Watch“ können sie durch eine Uhr sichtbar gemacht werden, die nur der Protagonist des Spieles besitzt. Für normale Menschen sind sie unsichtbar. Dennoch nehmen die Yo-Kai Einfluss auf das Leben der Menschen. So können sie Personen „beseelen“ und ihren Charakter temporär verändern, je nach Yo-Kai meist zum negativen. Als „Nathan“ oder „Katie“ könnt ihr euch jedoch mit den seltsamen Kreaturen anfreunden und sie für euch kämpfen lassen, gegen andere Yo-Kai, versteht sich. Manche der Monster, die ihr im Kampf besiegt, möchten sich euch fortan gerne begleiten. Wollt ihr ein bestimmtes Monster, so könnt ihr eurem Favoriten auch sein Leibgericht zu essen geben und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit euch mit ihm anzufreunden. Leider kommt es  auch mit dem Lieblingsfutter des Yo-Kais nur sehr selten vor, dass er sich euch anschließt, was nach einiger Zeit für ein wenig Frust sorgt.

Die Fortsetzung von „Yo-Kai Watch“ setzt zwar direkt an die Geschehnisse des Vorgängers an, jedoch verliert der Protagonist, der wahlweise Junge oder Mädchen ist, am Anfang jede Erinnerung und auch die namensgebende Yo-Kai Watch, sodass auch Neueinsteigern keine storyrelevanten Fakten vorenthalten werden. Zwei böse Hexen namens Goldie uns Silvie suchen den Protagonisten heim und sind für den schwerwiegenden Verlust verantwortlich. Trotzdem findet ihr schnell eure treuen Begleiter „Whisper“ und „Jibanyan“ wieder und mit ihnen kommen auch eure Erinnerungen zurück. Alles wird noch mal ganz genau einsteigerfreundlich erklärt. Dies wiederum könnte vor allem alten Hasen einige langweilige Stunden bescheren, da der doch etwas zähe Anfang dem des ersten Teiles mehr als ähnelt. Erst nach ca. 10 Spielstunden entfaltet sich die eigene, neue Handlung des Spieles, bis dahin gilt es, den Geduldsfaden zu spannen.

Kämpfe mal entspannt

Auch spielerisch hat sich nicht viel getan. In den Kämpfen seid ihr zum passiven Zuschauen verbannt, da die Yo-Kai von selbst angreifen und verteidigen. Gelegentlich könnt ihr eine Spezialattacke namens „Ultiseel“ vom Stapel lassen oder euren Schützlingen Gegenstände zur Heilung verabreichen. Ultiseel-Attacken werden dadurch aktiviert, dass ihr kleine Minispiele absolviert. So müsst ihr beispielsweise gelbe Luftblasen antippen, Kreise auf dem Touchpad ziehen, kleine Muster nachfahren oder einen Uhrzeiger auf die richtige Zeit einstellen. Ansonsten dreht ihr eure sechs auserwählten Yo-Kai mittels Drehscheibe so, dass jeweils die Hälfte an der Front kämpft, währen sich die restlichen drei passiv im Hintergrund aufhalten.

Wird einer eurer Yo-Kai „beseelt“, kann er nicht mehr angreifen und muss „gereinigt“ werden. Dazu müsst ihr den jeweiligen Yo-Kai nach unten drehen und den „Reinigen“ Button berühren. Dadurch werden ebenfalls wieder Minispiele ausgelöst, bei denen ihr zum Beispiel Rauch vertreiben oder Ketten durchschneiden müsst. Sowohl Ultiseel-Angriffe wie auch das Reinigen dauern allerdings relativ lange. Bei einem gut trainierten Team ist der Kampf oftmals vor dem Freisetzen der Spezialattacke schon beendet. Wechselt ihr euer Team allerdings komplett mit neuen Yo-Kais aus, so besitzen diese meist ein weitaus niedrigeres Level als die Kontrahenten und sind diesen gnadenlos unterlegen.

Junge Spieler an die Macht!

Man merkt Yo-Kai Watch sehr deutlich an, dass es auf jüngere Spieler zugeschnitten ist. Käfer fangen, Freunde treffen, die Oma besuchen, Krapfen kaufen, Streits schlichten und sich in der Kanalisation herumtreiben … Alltagsaktivitäten junger Schüler gepaart mit putzigen Monstern und einem simplen Kampfsystem sprechen für sich. Ältere Spieler kann dies schon hin und wieder mal unterfordern. Auch fühlt sich alles irgendwie „Old School“ an, denn optionale Quests werden im Questmenü aktiviert und dann müssen erst mal kilometerlange Strecken abgelaufen werden, bis man beim jeweiligen Questgeber ankommt, der einen dann wieder von A nach B schickt, diesmal ohne Zielmarkierung. „Geh den Fluss herunter und fang Fische“ ist leider keine extrem präzise Anweisung, zumal es beispielsweise nur an wenigen Stellen möglich ist, überhaupt fischen zu gehen. Nach einer erfolgreich absolvierten Quest folgt dann eine relativ lange „Abgeschlossen-Szene“, die sich auch beim zwanzigsten Mal ansehen einfach nicht überspringen lassen will. Hinzu kommt meist eine manchmal mehr, manchmal weniger lustige Zwischensequenz über die Yo-Kai. Ganz nett, aber wiedermal Zeit, in der ihr nicht spielen dürft. Auch die Zug- und Busfahrten, die regelmäßiger Bestandteil des Spieles sind, gestalten sich etwas komplizierter, da die Busfahrpläne erstmal studiert werden müssen und dann in den richtigen Zug und an der richtigen Haltestelle wieder aus- und umgestiegen werden muss. Für jeden Tag benötigt man außerdem ein relativ teures Fahrticket. Da man im Spiel nur Centbeträge nach gewonnen Kämpfen erhält, sollte man also nicht zu  oft zum falschen Ort fahren, da einem ansonsten relativ schnell das Taschengeld ausgeht.

Auffällig im Spiel ist, dass alles, aber wirklich alles ins Deutsche übersetzt wurde, von der Sprache selbst über die Währung in € bis hin zu den Ladenschildern. „Yo-Kai“ und „Watch“ sind wahrlich die  einzigen ausländischen Wörter. Damit passt sich das Spiel der Zielgruppe optimal an.

Gegensätzlich dazu gestalten sich die vielen, teils unübersichtlichen Funktionen im Spiel. Unzählige „Apps“ werden der Yo-Kai Watch nach und nach hinzugefügt, mit denen ihr beispielsweise euer ebenso üppiges Inventar und zahlreiche Quests verwalten könnt. Es gibt Apps für Yo-Kai-Fundorte, Kompendien über gefangene Yo-Kai und andere Lebewesen, eine Sammelmappe für Medallien, eine Hilfe-App, eine Kamera, eine Wetter-App und und und. Hinzu kommen einige Multiplayer-Apps, die via Drahtlos-Verbindungen aktiviert werden können. Es bleiben also keine Wünsche offen – dafür leidet allerdings die Überschaubarkeit etwas.

Fazit:

„Yo-Kai-Watch 2“ zielt ganz klar auf jüngere Spieler ab. Das gemütliche, einfach gehaltene Kampfsystem, der bunte, comichafte Stil und die penible deutsche Übersetzung finden zwar bei Kindern anklang, als Erwachsene fühle ich mich persönlich jedoch etwas unterfordert. Putzige Monster zum Sammeln geh´n immer, klar, leider sind manche der Zeitgenossen aber nicht gerade ansehnlich, manche mehr als seltsam und warten mit äußerst kindischen Namen auf. Die Synchronsprecher sind zwar stets bemüht, sehr professionell klingt die deutsche Übersetzung dennoch nicht so ganz. Hinzu kommen die ewig langen Laufwege im Spiel inklusive Zug- und Busfahrten. Eine viertel Stunde damit zuzubringen ein Item aus dem anderen Stadtteil zu besorgen, dafür ist mir meine Zeit auf Dauer dann doch zu Schade. Dafür ist die musikalische Untermalung aber durchaus gelungen. Wer also ein etwas anderes Pokémon mal ausprobieren möchte und sich am Old-School-Charakter und der Gemütlichkeit des Spielflusses nicht stört, darf gerne zugreifen.

Maras Wertung: 7.5

Eine zweite Meinung: 

Ich kann Maras Einschätzung hinsichtlich der Ausrichtung auf eine etwas jüngere Zielgruppe durchaus bestätigen. Das kann man aber auch von vielen anderen Nintendo Titeln u.a. Pokémon – damit muss es sich vergleichen lassen – behaupten. Yo-Kai-Watch ist dank seines einfachen und eingängigen Kampfsystem, dem herrlich abgedrehten Monsterdesign und der sympathischen Handlung ein wunderbares Sommerabenteuer, das perfekt in die kommende (als Elternteil: drohende) Ferienzeit passt. Von meiner Seite aus gibt es daher eine klare Kaufempfehlung und auch jung gebliebene Erwachsene Ü40 können durchaus noch ihren Spaß mit der Reihe haben. In diesem Sinne: Frohes Fangen! Von mir gibt es einen halben Punkt mehr. 

Andreas Herbster

In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

Positiv

  • Viele Monster zum sammeln
  • Eigener Stil, herrliches Monsterdesign
  • Liebenswerte Charaktere
  • Sehr Einsteigerfreundlich
  • Sympathische Geschichte

Negativ

  • Zäher Start
  • Lange Laufwege
  • Teils irritierendes Monsterdesign
  • Zu simpler Kampfablauf
  • Manche Yo-Kai nur schwer zu kriegen
8

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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