
Das Online-Rollenspiel Ashes of Creation wird nicht weiterentwickelt. Nach übereinstimmenden Berichten wurde die Arbeit am Projekt eingestellt und das gesamte Team des Studios entlassen. Damit endet eines der ambitioniertesten Crowdfunding-Vorhaben der Spielebranche abrupt, nur wenige Tage nach öffentlichen Beteuerungen, das Projekt sei weiterhin „würdig der Investition“.
Das MMO galt lange als Ausnahmetitel im Crowdfunding-Umfeld. Im Jahr 2017 sammelte es rund 3,3 Millionen Dollar ein und wurde damit zum erfolgreichsten MMO-Projekt auf Kickstarter.
Hinweise aus Community und sozialen Netzwerken

Erste Anzeichen für die Eskalation tauchten am 31. Januar im offiziellen Discord-Server des Spiels auf. Dort kursierten Berichte über Kündigungen und Rücktritte innerhalb des Studios. Kurz darauf bestätigte Community-Managerin Margaret Krohn auf LinkedIn ihre Entlassung. In einer Antwort schrieb sie, dass das „Herz und die Seele des Produkts“ nicht mehr vorhanden seien, nachdem das Entwicklerteam vollständig entlassen worden sei.
Eine offizielle Studio-Mitteilung blieb zunächst aus. Stattdessen meldete sich der Gründer und ehemalige Creative Director Steven Sharif selbst zu Wort.
Rücktritt des Gründers und Rolle des Vorstands
Sharif erklärte öffentlich, dass er nicht mehr die Kontrolle über das Unternehmen gehabt habe. Entscheidungen des Vorstands hätten aus seiner Sicht ethische Grenzen überschritten. Er habe sich deshalb entschieden, zurückzutreten, anstatt diese Maßnahmen mitzutragen. Nach seinem Rücktritt sei ein Großteil der Führungsriege ebenfalls gegangen.
Im Anschluss habe der Vorstand WARN-Mitteilungen verschickt und eine Massenentlassung beschlossen. Weitere Details könne er aufgrund laufender rechtlicher und interner Prozesse nicht nennen. Er betonte jedoch ausdrücklich, dass Entwickler und Mitarbeiter in gutem Glauben gehandelt hätten und eine bessere Behandlung verdient hätten.
Widersprüchliche Signale kurz vor dem Aus
Noch am 29. Januar war auf der offiziellen Website ein offener Brief an die Community erschienen. Darin räumte das Team bestehende Probleme wie Bots, Cheating, Bugs und Performance-Schwierigkeiten ein. Gleichzeitig wurde ein Entwicklungs-Livestream für Mitte Februar angekündigt, in dem die nächsten Schritte erläutert werden sollten.
Der Ton des Schreibens war optimistisch. Das Projekt wurde als wachsend beschrieben, die langfristige Vision als unverändert. Rückblickend wirkt der Brief wie ein Dokument aus einer Phase, in der das Team noch von einer Fortführung ausging.
Langjährige Entwicklung und wachsende Kritik
Ashes of Creation befand sich seit Jahren in einer schwierigen Phase. Nach dem Kickstarter-Erfolg vergingen neun Jahre ohne Release. Fünf Jahre lang liefen geschlossene Alpha-Tests für Unterstützer. In dieser Zeit wuchs die Unzufriedenheit in Teilen der Community.
Kritisiert wurden unter anderem fehlende klare Ausrichtung, nicht zusammenfindende Spielsysteme und der große Abstand zwischen Ankündigungen und spielbarer Realität. Bereits während der Crowdfunding-Phase hatte es Zweifel an der Umsetzbarkeit der ambitionierten Versprechen gegeben.
Der Zusammenbruch des Projekts reiht sich in eine Serie gescheiterter Großprojekte ein, bei denen hohe Ambitionen, lange Entwicklungszeiten und Spannungen zwischen kreativer Vision und wirtschaftlichen Interessen zusammenkamen. Ashes of Creation wurde über ein Jahrzehnt hinweg aufgebaut und endet nun ohne fertige Veröffentlichung.
FAQ
Ein geplantes MMO, das 2017 per Crowdfunding finanziert wurde.
Rund 3,3 Millionen US-Dollar.
Das Projekt entstand bei Intrepid Studios.
Nach internen Konflikten, Führungsrücktritten und einer Entscheidung des Vorstands kam es zu Massenentlassungen.
Ja, Steven Sharif trat aus Protest gegen Entscheidungen des Vorstands zurück.
Ja, wenige Tage vor den Entlassungen wurde öffentlich ein weiterer Entwicklungs-Livestream angekündigt.
Nein, es befand sich über Jahre hinweg in geschlossenen Alpha-Tests.
Das Crowdfunding lief über Kickstarter.

