Im Arbeitsgerichtsverfahren gegen Rockstar hat HR-Manager Charlie Kinloch sein Interesse an der Gewerkschaftsaktivität von Beschäftigten eingeschränkt dargestellt. 31 ehemalige Mitarbeiter, vertreten durch die IWGB, werfen dem Studio rechtswidrige, gewerkschaftsfeindliche Entlassungen vor; Rockstar begründet die Kündigungen mit grobem Fehlverhalten und der Weitergabe vertraulicher Informationen.
Die Zeugenaussage fiel im laufenden Verfahren „Rockstar Games vs Garland & Others“ am Glasgow Tribunals Centre.
Discord-Nachrichten stehen im Zentrum der Befragung
Kinloch ist HR-Manager und Co-Studio-Operations-Direktor bei Rockstar Lincoln. Ein Beschäftigter unter dem Kürzel AB hatte ihm nach Darstellung der Kläger anonym Nachrichten und Material aus einem Discord-Server geschickt. Darin seien Gespräche über gewerkschaftliche Organisierung, das Verteilen von Flugblättern und Beschwerden über den Arbeitsplatz enthalten gewesen.
Kinloch bestritt, dass die Nachrichten einzelne IWGB-Mitglieder identifiziert hätten. Er habe sich zwar allgemein für gewerkschaftliche Aktivitäten interessiert, soweit sie die Arbeit von Führungskräften beträfen, aber nicht dafür, welche Beschäftigten Mitglieder seien. Im Mittelpunkt hätten für ihn mögliche Rufschädigung und Fehlinformationen über Rockstar gestanden.
Die Befragung nahm auch unterschiedliche Formulierungen in früheren Aussagen Kinlochs dazu in den Blick, ob er den Gewerkschaftsstatus der Mitarbeiter kennen konnte. Er wies den Vorwurf zurück, das Gericht absichtlich in die Irre geführt zu haben.
Rockstar verweist auf mögliche Schäden durch Leaks
Ein weiterer Streitpunkt war der zeitliche Abstand zwischen den ersten Hinweisen und den Entlassungen im Oktober 2025. Kinloch begründete die spätere Dringlichkeit mit der außergewöhnlich großen öffentlichen Aufmerksamkeit für GTA 6 vor einer wichtigen Ankündigung. Veröffentlichte interne Beschwerden oder andere Nachrichten hätten dem Unternehmen in diesem Umfeld wirtschaftlich schaden können, erklärte er laut Eurogamer.
Als zusätzliche Warnsignale nannte Kinloch einen geplanten Twitter-Account für eine Rockstar-Gewerkschaft sowie den Wunsch von Beschäftigten, mit den Journalisten Jason Schreier und Keza Macdonald zu sprechen. Auch die hohen Erwartungen an das Spiel prägen den wirtschaftlichen Kontext: Laut einer früheren Meldung könnten die Entwicklungskosten von GTA 6 eine Milliarde Dollar übersteigen.
Die Kreuzvernehmung von Rockstar-Zeugen soll in der folgenden Woche fortgesetzt werden; anschließend sollen ehemalige Beschäftigte aussagen. Ein Urteil ist in den vorliegenden Angaben noch nicht genannt.



