
Baden-Württemberg richtet eine neue zentrale Kontrollgruppe ein, die Sportwetten-Anbieter und Spielhallen stärker überwachen soll. Doch während sich die Landesregierung auf legale Angebote konzentriert, wächst die Kritik aus der Branche. Der Vorwurf: Der eigentliche Brennpunkt liegt längst im illegalen Glücksspiel.
Auslöser der aktuellen Debatte sind zwei Ermittlungserfolge der Stuttgarter Kriminalpolizei in Bad Cannstatt. Dort stießen Beamte in jüngster Zeit auf umgebaute Büroräume mit Spieltischen, Automaten, Karten und Jetons. Insgesamt ging es um rund 130.000€. Zusätzlich wurde illegales Glücksspiel in einer Kneipe aufgedeckt. Die Funde unterstreichen, dass sich unerlaubte Spielangebote zunehmend professionell organisieren.
Illegales Glücksspiel bleibt auf hohem Niveau
Im Rahmen der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 veröffentlichte Baden-Württemberg aktuelle Zahlen zur Kriminalitätsentwicklung. Bundesweit haben sich die registrierten Fälle illegalen Glücksspiels seit 2017 massiv erhöht. Damals wurden 504 Fälle gezählt, 2024 waren es 6.247 – eine Verzwölffachung innerhalb weniger Jahre.
Für Baden-Württemberg meldete Innenminister Thomas Strobl zwar einen rückläufigen Trend, sprach aber weiterhin von einem hohen Niveau. 2025 wurden 470 Fälle registriert, nachdem es in den beiden Vorjahren 671 beziehungsweise 762 waren.
Als wesentlicher Treiber gelten sogenannte Fun-Game-Geräte. Eigentlich sind diese als erlaubnisfreie Unterhaltungs- oder Geschicklichkeitsspielgeräte konzipiert. In der Praxis werden jedoch teils Roulette- oder Pokerprogramme aufgespielt, sodass faktisch um Geld gespielt wird – ohne Genehmigung und an der Steuer vorbei. Besonders Mehrspielertische wie Fun-4Four-Geräte stehen im Fokus der Ermittler.
Weniger Fälle oder weniger Kontrollen?
Die Deutsche Automatenwirtschaft warnt davor, den Fokus auf legale Anbieter zu legen. Aus Sicht des Verbands verschärft eine zusätzliche Kontrolle des regulierten Marktes das eigentliche Problem.
Bundesweit stehen nach Angaben des Verbands rund 161.000 legale Geldspielgeräte mindestens 50.000 illegalen Automaten gegenüber – mit steigender Tendenz. Vertreter der Branche argumentieren, dass ein zu stark regulierter legaler Markt Nachfrage in unkontrollierte Bereiche verdränge.
Je stärker das erlaubte Angebot eingeschränkt werde, desto attraktiver würden Schwarzmarktstrukturen. Diese böten weniger Spielerschutz, keine Steuertransparenz und seien anfälliger für organisierte Kriminalität. Tatsächlich stieg im Bereich organisierter Kriminalität die Zahl der Ermittlungsverfahren zuletzt wieder an.
Sicherheit oder Symbolpolitik?
Mit der neuen Kontrollgruppe verfolgt Baden-Württemberg offiziell das Ziel, Transparenz und Rechtskonformität zu stärken. Kritiker sehen hingegen die Gefahr, dass Ressourcen gebunden werden, während illegale Strukturen im Verborgenen weiter wachsen.
Die entscheidende Frage bleibt: Trifft die Landesregierung mit ihrer Strategie den Kern des Problems – oder verschiebt sich der Fokus zulasten eines ohnehin regulierten Marktes?
FAQ zum illegalen Glücksspiel in Baden-Württemberg
Bundesweit haben sich die registrierten Fälle von 2017 bis 2024 mehr als verzwölffacht – von 504 auf 6.247 Fälle.
2025 wurden 470 Fälle registriert. Das ist weniger als in den Vorjahren, liegt aber weiterhin auf einem hohen Niveau.
Das sind ursprünglich erlaubnisfreie Unterhaltungsgeräte, auf denen teilweise unerlaubt Glücksspiele wie Roulette oder Poker installiert werden.
Nach Branchenangaben stehen 161.000 legalen Geräten mindestens 50.000 illegale Automaten gegenüber.
Sie soll die Überwachung von Sportwetten und Spielhallen zentral koordinieren und Verstöße schneller erkennen.

