
Wenn Erfolg täuscht – und eine ganze Reihe plötzlich wackelt
Seit Jahren gehört „Call of Duty“ zu den Serien, die im Herbst wie ein Naturereignis einschlagen. Doch diesmal ist alles anders. Die Erwartungen waren hoch, die Marketingmaschine lief auf Hochtouren und trotzdem kippt die Stimmung schneller, als Activision lieb sein dürfte. Dass „Black Ops 7“ in Europa direkt auf Platz 1 der Verkaufs- und Umsatzcharts schoss, klingt nach Triumph. Nur erzählt dieser Spitzenplatz eben nicht die ganze Geschichte.
Fans reagierten früh irritiert. Der Metascore rutschte von ehemals 84 beim Vorgänger auf nur 69 Punkte, der User Score fiel mit 1,7 in rekordverdächtige Tiefen. Ein beispielloser Dämpfer für eine Marke, die sonst für Stabilität steht. Schon da zeichnete sich ab, dass der Start holpriger werden würde, als sich Activision je ausgemalt hatte.
„Mehr als 50 Prozent runter“ – Zahlen, die in der Branche Alarm auslösen
„Das Bild ist gespalten“, schreibt das Branchenportal TheGameBusiness über die Auswertung der GSD für die Woche bis zum 16. November. Ob digitale Verkäufe oder physische Versionen: „Black Ops 7“ bewegt sich überall rückwärts. In Großbritannien brachen die Retail-Zahlen um satte 61 Prozent ein. Europaweit liegt der Rückgang laut Schätzungen bei über 50 Prozent gegenüber „Black Ops 6“.
Gleichzeitig marschiert die Konkurrenz entschlossen nach vorne. „Battlefield 6“ gelang der stärkste Launch der Seriengeschichte. „Anno 117: Pax Romana“ überraschte als Neueinsteiger auf Rang 2 und verdrängte selbst Dauerbrenner wie „EA Sports FC 26“. Währenddessen kämpft „Black Ops 7“ darum, nicht gegen seinen eigenen Ruf zu verlieren.
Spieler wandern ab – und Activision reagiert unter Druck
Analysten sehen mehrere Gründe für den Absturz. Rund ein Viertel der „Call of Duty“-Spieler wechselte im Herbst laut Ampere Analysis zu „Battlefield 6“. Dazu kommt die Game-Pass-Strategie: Downloads über das Abo tauchen in den GSD-Zahlen nicht auf, was die Verkäufe optisch drückt. Dennoch schnitt der Vorgänger unter ähnlichen Bedingungen deutlich besser ab.
Am schwersten wiegt jedoch der Unmut der Community. Die Debatten um die Zielhilfe eskalierten derart, dass Activision öffentlich nachsteuern musste. „Wir verstärken den Aim Assist“, versprach der Publisher – ein ungewöhnlich offenes Eingeständnis, dass man die Lage unterschätzt hat.
Ob dieser Schritt reicht, um das Vertrauen zurückzugewinnen, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Doch eines ist jetzt schon klar: Dieser Launch wird in der „Call of Duty“-Geschichte nicht als glorreicher Sieg stehen, sondern als schmerzhafte Warnung.

