
In einer Zeit, in der Games längst zu globalen Erzähluniversen geworden sind, überrascht kaum noch ein Versuch, digitale Welten auf andere Medien zu übertragen. Und doch sorgt eine Meldung dieser Woche für besonders viel Aufmerksamkeit. „Far Cry“, die Reihe, die wie kaum eine andere für extreme Schauplätze, überlebensgroße Antagonisten und moralische Grauzonen steht, wird zur TV-Serie.
FX und Ubisoft haben das Projekt offiziell bestätigt und verfolgen damit nicht weniger als das Ziel, eine der markantesten Videospielreihen unserer Zeit in ein neues erzählerisches Format zu heben. Statt einer klassischen Adaption wagen sie ein spannendes Experiment, das perfekt zur DNA der Marke passt.
„Jede Staffel ein Neuanfang“ – das Anthologie-Konzept als Mutprobe
Wenn Ubisoft und FX von ihrer Anthologie-Serie sprechen, dann meinen sie eine radikale Freiheit. Jede Staffel wird eine völlig neue Geschichte erzählen. Ein neuer Kontinent, ein neuer Konflikt, ein neuer Gegner. Genau das macht die Reihe seit Jahren aus – mal tropisch, mal politisch, mal chaotisch.
Produzent Rob McElhenney, selbst Teil des Casts, beschreibt diese kreative Offenheit als das Herzstück der Idee. Gemeinsam mit Noah Hawley, der für Serien wie „Fargo“ oder das kommende „Alien: Earth“ bekannt ist, möchte er das Format nutzen, um sich in jeder Staffel neu zu erfinden. Hawley betonte in seinem Statement, dass ihn die „thematische Breite“ der Vorlage schon länger fasziniere.
Die beiden kennen sich in der seriellen Innovation hervorragend aus. Ihre Beteiligung verstärkt die Hoffnung, dass „Far Cry“ nicht zur bloßen Fan-Service-Show wird, sondern zu einer eigenständigen Erzählreihe mit mutigen Konzepten.
„Mehr als ein Einzelprojekt“ – Ubisofts Masterplan und ein wachsender Trend
Was Ubisoft plant, passt perfekt zur aktuellen Entwicklung der Branche. Spiele sollen längst nicht mehr nur Spiele sein, sondern Franchises, die sich über Filme, Serien, Comics und Streams hinweg entfalten. Dass „Far Cry“ nun dazustößt, überrascht also kaum.
Schon in den vergangenen Jahren erprobte Ubisoft diesen Weg: vom anarchischen Animationsprojekt „Captain Laserhawk“ über die kommende „Assassin’s Creed“-Live-Action-Serie bis hin zu „Splinter Cell: Deathwatch“. Gleichzeitig findet man den Publisher immer wieder als Produzenten in Serien rund um die Spieleentwicklung selbst – etwa bei Apples „Mythic Quest“.
Auch andere Studios ziehen nach. Nintendo arbeitet nach dem Mega-Erfolg von „Super Mario Bros.“ an weiteren Filmprojekten, Activision verfolgt Pläne für einen Call-of-Duty-Film, und Kojima Productions baut ein Medienuniversum rund um „Death Stranding“ auf.
Was „Far Cry“ nun besonders macht: Es bindet sich nicht an eine konkrete Vorlage, sondern interpretiert die Grundidee des Franchises völlig neu. Die Serie soll den Geist der Reihe einfangen, ohne einfach ein bestehendes Spiel nachzuerzählen.
Noch fehlt ein Starttermin. Aber eines ist schon jetzt klar: Diese Serie könnte zum nächsten großen Baustein in Ubisofts Expansionsstrategie werden – und zu einer der spannendsten Videospieladaptionen der nächsten Jahre.

