
Ein Tod ohne Todesschrei – und eine Enthüllung über Twitter
Es gibt Momente in der Gaming-Geschichte, die Spieler für immer in Erinnerung behalten. Der vermeintliche Tod von Desmond Miles in „Assassin’s Creed 3“ gehörte dazu, denn er markierte das Ende eines Protagonisten, der die ersten Jahre der Reihe wie ein roter Faden zusammenhielt. Dass ausgerechnet der Mann hinter der ikonischen Stimme nicht wusste, was er da eigentlich einsprach, klingt fast absurd – ist aber genau so passiert.
Nolan North, der Desmond über fünf Spiele hinweg verkörperte, erzählte im Gespräch mit Fall Damage, dass ihm erst nach Veröffentlichung des Spiels bewusst wurde, was er da aufgenommen hatte. Auf Twitter las er plötzlich Kommentare wie „Bist du traurig, dass Desmond tot ist?“ und war irritiert. Sein Kommentar dazu: „Das war technisch die Todesszene von Desmond, und ich wusste es nicht.“ Der Grund: Die Szene kommt ohne dramatischen Schrei oder klassisches Ableben aus. Kein letzter Aufschrei, kein pathetischer Abspannmoment.
Doch dann folgte die nächste Überraschung. Ubisoft erklärte ihm, der Charakter sei „nicht technisch tot“. Ein Hinweis, der sich später als entscheidend herausstellen sollte – denn „Assassin’s Creed Valhalla“ enthüllte, dass Desmonds Bewusstsein nun als „The Reader“ im Animus weiterexistiert. North kehrte dafür erneut ins Franchise zurück.
Was Desmonds „Weiterleben“ für die Reihe bedeutet
Viele Fans hatten seit 2012 vermutet, dass Ubisoft bei Desmonds Abschied nicht endgültig den Deckel schließen wollte. Die Reihe hatte sich mit wachsender Größe zunehmend schwer damit getan, Neueinsteiger durch die moderne Rahmenhandlung zu lotsen. Der Abbruch von Desmonds Hauptstory eröffnete mehr Freiheit – aber auch neue Experimente, die je nach Teil ganz unterschiedlich funktionierten.
North erwähnte im Interview zudem, dass es ursprünglich Pläne für „acht oder neun Spiele“ mit Desmond gab. Doch wie er es ausdrückte: „In der Entertainmentbranche kommen neue Entwickler, neue kreative Köpfe, und sie haben ihre eigenen Ideen.“ Das Resultat: Die moderne Handlung wurde mehrfach neu ausgerichtet, von Layla Hassan bis hin zu den experimentellen Abschnitten der jüngsten Titel.
Trotz allem scheint Desmond nie ganz verschwunden zu sein. Sein Bewusstsein lebt im Animus fort, und Ubisoft hat North laut seiner Aussage bestätigt, dass „The Reader“ tatsächlich Desmond ist – nur eben auf einer Ebene, die eher metaphysisch wirkt als körperlich.
Für die Marke bedeutet das eine spannende Option: Desmond ist nicht tot, aber auch nicht regulär zurückkehrend. Er existiert als Stimme, als Gedächtnis, als Bewusstsein innerhalb der Simulation. Und das eröffnet Ubisoft theoretisch jederzeit die Möglichkeit, ihn wieder in den Vordergrund zu rücken, ohne einen Retcon oder Widerspruch.
North fasste seine Gefühle dazu mit einem Satz zusammen, der vielen Fans aus der Seele spricht: „Ich war sehr traurig, von der Rolle wegzugehen, denn Assassin’s Creed ist eine meiner liebsten Geschichten überhaupt.“
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Figuren wie Desmond sterben nicht wirklich – weder im Animus noch in den Köpfen der Spieler.

