
Das italienische Entwicklerstudio Santa Ragione zieht nach der Veröffentlichung seines surrealen Horror-Spiels Horses eine gemischte Bilanz. Trotz eines Verkaufsverbots auf Steam und im Epic Games Store konnte das Projekt finanziell gerade noch ausgeglichen werden. Für die Zukunft des Studios reicht dieses Ergebnis jedoch nicht aus. Santa Ragione hat angekündigt, den Betrieb vorerst einzustellen.
Verkäufe außerhalb von Steam sichern Rückzahlung
Nach Angaben des Studios wurde Horses seit dem Release über alternative Plattformen wie GOG, Humble und Itch rund 18.000 Mal verkauft. Daraus resultierten etwa 65.000 US-Dollar Nettoerlös. Diese Einnahmen reichten aus, um die rund 50.000 US-Dollar zurückzuzahlen, die sich das Team zuvor von Freunden geliehen hatte, um die Entwicklung nach dem Steam-Ausschluss abzuschließen.
Das Gesamtbudget des Projekts lag bei etwa 100.000 US-Dollar. Nach Abzug von Lizenzzahlungen an den Schöpfer der Vorlage, Andrea Lucco Borlera, konnte Santa Ragione alle offenen Verbindlichkeiten begleichen. Das Studio spricht in diesem Zusammenhang von einem Erfolg und von Erleichterung, da zumindest keine Schulden zurückbleiben.
Keine Ressourcen für ein neues Projekt
Obwohl die Kosten gedeckt sind, reicht das finanzielle Ergebnis nicht aus, um ein neues Spiel zu starten. Santa Ragione erläutert, dass die Einnahmen hauptsächlich Verpflichtungen aus der langen Entwicklungsphase abdecken. Es fehlt die Grundlage, um einen neuen Titel zu produzieren. Kollegen hätten bereits andere Positionen angenommen und müssten dies auch weiterhin tun.
Es wird nicht ausgeschlossen, dass das Studio zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommt, aber es gilt als schwierig. Die lange Phase der Unsicherheit hat dazu geführt, dass sich die personelle Struktur bereits erheblich aufgelöst.
Ablehnung durch Steam als Turning Point
Eine frühe Version von Horses wurde von Steam im Juni 2023 abgelehnt. Eine genaue Erklärung der Gründe fand nie statt. Eine Stellungnahme von Valve, die Santa Ragione verbreitet hat, besagt, dass es Bedenken bezüglich der Darstellung von sexuellem Verhalten mit Minderjährigen gab. Das Studio nahm daraufhin Änderungen am Spiel vor und stellte sicher, dass alle Charaktere über 20 Jahre alt sind.
Santa Ragione unterstreicht, dass Horses zwar sexualisierte Gewalt behandelt, diese aber nicht verherrlicht oder zur Erregung darstellt. Es dreht sich vielmehr um Themen wie Unterdrückung, Missbrauch und die Auseinandersetzung mit Zensur. Trotz des Ausschlusses von Steam kam es zu finanziellen Engpässen, zusätzlicher Verschuldung und einer frühen Zersplitterung des Teams.
Langzeitumsätze entfallen durch Plattform-Ausschluss
Das Studio macht klar, dass ein Release auf Steam nicht nur für den Verkaufsstart wichtig ist. In vergangenen Projekten waren langfristige Umsätze durch Rabattaktionen, Bundles und Steam-Keys von großer Bedeutung. Bei Horses sind diese Einnahmen komplett entfallen.
Der eingeschränkte Zugang zu Bundle-Programmen hat ebenfalls negative Auswirkungen gehabt. Ein guter Verkaufsstart auf kleinen Plattformen kann nicht das ersetzen, was ein langfristiger Vertrieb über Steam wirtschaftlich bedeutet.
Appell an die Industrie
Santa Ragione schaut zum Abschluss über den eigenen Fall hinaus. Die großen Distributionsplattformen haben laut dem Studio eine zu große Marktmacht; es braucht daher klarere Regeln, transparente Entscheidungsprozesse und mehr Verantwortlichkeit.
Während Horses sichtbar geworden sei, würden jedoch viele andere Spiele stillschweigend abgelehnt, entfernt oder über Jahre hinweg geprüft, ohne dass Entwickler offen darüber reden könnten.
FAQ
Ein surrealistisches Horror-Spiel von Santa Ragione.
Steam lehnte eine frühe Version ab, unter anderem wegen inhaltlicher Bedenken.
Über GOG, Humble und Itch.
Rund 18.000 Einheiten.
Nein, es erreichte lediglich die Kostendeckung.
Die Einnahmen reichen nicht aus, um ein neues Projekt zu finanzieren.
Theoretisch ja, praktisch gilt dies als schwierig.
Forderungen nach mehr Transparenz und klareren Regeln bei großen Vertriebsplattformen.

